Jürg Wyss – Was macht er anders?

October 1, 2019

Philippinen, Donsol: kühles Büro, einfaches Leben, Jürg Wyss im Einsatz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jürg Wyss will eine Bernerplatte kochen: Gedörrte Bohnen geht via Ofen.

Das Räuchern ist seit kurzem auch möglich. Die Hühnerbrust war der Prototyp.

Improvisieren, probieren und Ideen entwickeln zur Lösung – Das Lebensprinzip/-rezept

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Kennenlernen war via Twitter 2015. Da suchte so ein verrückter Kerl Spendengel­der für Entwicklungshilfe, die er selbst vor Ort durchführen wollte. Bei mir stellten sich alle Nackenhaare. Keine Organisation, privates Konto und einfach frei Hand geben? Um meine Sicht zu verstehen, sind meine letzten beruflichen Erfahrungen wichtig zu kennen. 

 

Denn in die letzten Jahren hatte ich öfters mit Menschen zu tun, die fast alles taten, um an Geld heranzukommen. Sei dies via persön­licher Einflussnahme bei mein­en Kunden auf der Suche nach Risikokapital. Die Krönung waren versuchter und ausgeführter Anlagebetrug. Deshalb war meine Haltung eher zu Ungunsten von Jürg Wyss und seinem Projekt. Gebrannte Kinder scheuen das Feuer. Vorur­teile abzulegen eine andere Schwierigkeit. Speziell dann, wenn sie weder angebracht sind und mehr Unrecht tun als nützen.   

 

Doch je mehr ich über das Projekt und das Vorgehen las und recherchierte umso mehr überzeugte mich das Ganze. Der Respekt und Achtung stiegen gewaltig, denn was Jürg vor hatte, war eine Ansage: Frauen auf den Philippinen eine Selbständigkeit ermöglichen, um zusätzliches Einkommen zu erzielen. Klar war für mich, ich muss auf die Philippinen und mir selbst ein Bild vor Ort machen. Das sollte noch bis Dezember 2016 dauern. Und 2019 war ich dann gleich 2 x 2 Monate vor Ort. Also genug Zeit, mehr als nur zu schnuppern.

 

Bevor ich auf das Projekt weiter eingehe etwas Hintergrundwissen zu den Eigenarten auf den Philippinen. Wichtig für die Leser ist zu wissen, dass in den Philippinen Frauen zu Hauf ihre Kinder allein aufziehen. Das Scheiden einer Ehe ist dortgesetzlich unmöglich. Erschwerend ist der katholische Hin­tergrund des Glaubens, der fördert Familienplanung in keiner Weise. Dazu kommt, dass es Städte und Dörfer gibt in denen der Bürgermeister verbietet, Kond­o­me zu verkaufen. Unvorstellbar in der geregelten Schweiz. Familien­planung kommt erst seit den letzten Jahren langsam in Bewegung.

 

Dazu gehen viele Philippinos ins Ausland arbeiten und sind jahrelang nicht mehr zu Hause. Oder die Männer verschwin­den über Nacht. Machen sich aus dem Staub. Das Männer verheiratet sind und eine Mätresse haben ist eher die Regel als die Ausnahme, wenn sie es sich leisten können. Eine Welt, in der Freiheit und Eigenständigkeit der westlichen Frauen noch in den Kinderschuhen steckt. Obwohl hier wie in Afrika die Frauen das Rückgrat der Wirtschaft sind.

 

Wenn hingegen ein Ausländer eine junge Frau kennenlernt, ist Hochzeit oft das einzige Mittel, um ohne Schaden davon zu kommen. Brüder, Onkels und Väter haben öfters eigenartige Vorstellungen und Vorgehen, um Rache zu nehmen. Ein Menschenleben kostet nichts, das lebt der Präsident in krasser Weise vor, mit der Jagd nach Drogenhändlern und Produzenten. Da werden Feinde persönlich­er, politischer oder geschäftlicher Natur schnell als Drogenhändler beschuldigt. Der einfachste Weg Feinde los zu werden. Denn dann ist zuerst schiessen bevor etwas fragen, die Regel.

 

In diesem Spannungsfeld ist es trotzdem nach wie vor die Regel, dass die Mehr­heit der Frauen ihre Kinder vor ihrem 20. Geburtstag auf die Welt bringen. Ent­sprechend gross ist die Not, wenn die Kindesväter sich davonstehlen. So ist die Last der Verpflichtung von Erziehung und finanzieller Sicherheit sofort erledigt. So ins Erwachsenenleben zu starten ist ein Handicap, dass unvergleichbar ist mit jungen Müttern in der Schweiz. Einfach nur schwer.

 

Wenn dann die «reichen» Rentner kommen, ist das für eine alleinerziehende Frau so was wie der Sechser im Lotto. Entsprechend gross ist die Nachfrage der Frauen, sich einen solchen Partner zu angeln. Da wird viel unternommen es möglich zu machen. Die Rentner wissen genau das so zu nutzen. Sei es im Guten wie im Schlechten. In der Fülle ist mir dieses Beziehungsverhalten auf meinen Reisen noch nie so begegnet wie hier auf den Philippinen. Daneben gibt es zu viele Rentner aus der Schweiz, Europa und Amerika, die sich genau das zu Nutze machen. Da ist die Alterspflege, die Putzfrau und Gefährtin alles in einem. Zu viele dieser Rentner pflegen einen eigen­artigen Lebensabend. Da hat wenig Platz ausser Party, Frauen und Alkohol. Ent­sprechend einfach sind die Gespräche. Es geht haupt­sächlich darum, wo krieg ich mehr für weniger Geld. Rentner zu Hauf, die mit blutjungen Frauen noch mal Vater werden. Grundsätzlich ist es ein Tausch­ge­schäft: Geld gegen Liebe und Arbeit. Doch mir gibt das Kolonialherrenverhal­ten vieler Rentner zu denken. In dem Sinne ist das Lebensmodell von Jürg Wyss nachahmenswert. So schwierig und gross die Widerstände oder Rückschläge sind, um ein Mehrfaches grösser ist die Befriedigung, den Weg zu gehen.  

 

Es würde auch anders gehen. Da ist die Familie, wo die Eltern mit dem Sohn in die Philippinen umgezogen sind und ein Ressort (Restaurant mit 5 Bungalow) eröffnet haben. Auf dem anderen, dem grösseren Teil des Landes wird via Aquaponik Gemüse und Fischzucht im kleinen Rahmen betrieben. Gemüse ist hier auf Negros Oriental teurer als Fleisch. Eine Peperoni kann schon mal 4 Franken kosten. Die Vogelzucht einheimischer Vögel ist Hobby und Entwick­lungshilfe gleichzeitig. Die gezüchteten Vögel werden teilweise verkauft oder einer Organisation geliefert, die diese wieder auswildert. Gleichzeitig werden insgesamt 25 - 30 Menschen beschäftigt. Der Betrieb des Ressorts in Kombination mit den privaten Aktivitäten ermöglichen eine ausserordentlich hohe Lebens­qualität. Nebst den vielen Problemen, die tagtäglich gelöst werden müssen. Eine Engelsgeduld und Gelassenheit ohne Ende helfen dabei sehr. Improvisieren ein Grundgesetz und das tagtäglich.

 

Jürg Wyss hat nach einer Nahtod Erfahrung seinen Traum und sein Lebensmodell für das Alter umgehend umgesetzt. Nützlich sein und seine Erfahrungen weitergeben. Der Start war in Donsol und seit knapp 1 ½ Jahren jetzt in Negros Oriental. Leider waren die Umstände in Donsol so, dass die politische Lage und Vorkommnisse ihn zwangen, den Standort zu wechseln. Zu viele tödliche Vorfälle vor Ort haben Fragen und Verunsicherung ausgelöst. Was wenn Jürg selbst zur falschen Zeit am falschen Ort ist? Doch ich greife vor.

 

Als der Spendenaufruf in der Schweiz lief, habe ich in mehreren Stufen immer wieder Mittel zur Verfügung gestellt und am Schluss grosszügig aufgerundet. Einfach, um die geplante Gesamtsumme zu erreichen. Wer etwas wagt soll auch eine Chance haben, das zu realisieren. Speziell dann, wenn nicht die Bekanntheit eines Hannes Schmid vorliegt, dem Gründervater von «Smiling Geckos» in Kambodscha. Die Bekanntheit hat innert Kürze grosse Geldsummen locker gemacht. Jeder will dazu gehören. Superlativen ohne Ende. Ich habe grössten Respekt vor dem was da geschaffen wurde. Doch es ist für mich immer mehr zu einer Sache geworden, die mehr mit Marketing zu tun hat. Jeder will sich brüsten dabei zu sein und setzt das gezielt in der Kundenbindung ein. Das ist einfach mit so viel Prominenz innerhalb der Organisation.

 

Was haben Verkaufstechniken, Marke, Werbung und Marketing mit sozialem Engagement zu tun? Da entstehen Kosten in der Verwaltung. Mir kommen da immer wieder die Verkaufstechniken und die Psychologie des Überzeugens hoch. Und genau das ist es was mich beunruhigt und verunsichert. Was populär ist, ist quasi gut und richtig. Wenn das so ist, dann kann schnell betrogen werden und sich das Ganze zum Gegenteil entwickeln. Es wird nämlich unbesehen übernommen. Die Kontrolle wird sozusagen an die Berühmtheit oder die Mehrheit delegiert. Wenn das die Berühmtheit gut findet und die Mehr­­heit das macht, ist der Qualitätsbeweis und die Richtigkeit belegt – ich mache mit ohne eigene Überlegungen anzustellen. Die Macht der Situation eine geläufige und häufige Strategie und Verkaufstechnik, um zu überzeugen d.h. den Verkauf hier und jetzt die Spendenwilligkeit zu fördern. Unabhängig ob dem so ist oder nicht. Das verunsichert und beunruhigt mich. Ein anderes Beispiel sind die gesunden Hamburger. Da wird mit den paar Vitaminen (Tomate, Salatblatt) und dem süchtig machenden salzigem, süssen und sauren (Speck, Käse, Gurke, Ketchup, Brot) der Hamburger als gesund erklärt. Der Käse oder das Fett ist dann noch der Geschmacksverstärker. Weltweit ob Europa, Afrika, Asien oder Amerika (Mittel, Süd, Nord) etc. eine der beliebtesten Fastfood Gerichte. Obwohl gesundheitsschädigend und süchtig machend. Welcher Organisation Spende ich? Wer Werbung macht hat hohe Kosten. Wer sich persönlich engagiert und einsetzt, kriegt weniger Mittel. Diese Mittel sind hingegen sicher optimaler eingesetzt. Bitte den Aspekt genauer miteinbeziehen beim Entscheid der Spende.

 

Was macht hingegen jemand wie Jürg Wyss, dem viel Gegenwind und Wider­stand entgegenbläst aufgrund der fehlenden Prominenz? Das war ein weiterer Grund, mich bei Jürg Wyss zu engagieren. Genauso wie ich das mit Toni Schwaller in Tansania auch tue. Ich fördere dort Entwicklungsarbeit, wo der Verantwortliche vor Ort ist und nicht nach 1 - 3 Monaten durch einem anderen Praktikanten ersetzt wird. In Afrika hat das zu einem Infrastruktur Expertentum geführt. Damit sind Infrastrukturkosten gemeint wie: Büro, Auto, Bekleidung, IT, Computer, Notebook, Mobiliar etc. In Afrika wird sogleich die ganze Familie als erstes damit ausgestattet. Dem Verantwortlichen vor Ort aus Europa der Garaus gemacht und mehr Geld gefordert. Bei jeder Änderung in der Führung geht das von neuem los. Oder wie ist es zu erklären, dass ein Geschäftsführer und seine Ehefrau einer Nonprofitorganisation zu Gunsten Kinder, zwei über CHF 160'000.- Autos fahren? Das Vorgehen hat in Afrika System und wird im grossen Stil betrieben – Stichwort Infrastrukturkosten. Unbedingt beachten: zuerst kommt die Familie und dann der Stamm (Tribe). Die Gelder Europas sind herzlich willkommen, je mehr je besser. Wobei die Wirtschaftsexpertin Dambisa Moyo schon lange betont, damit aufzuhören. Es verhindert, dass das Volk Afrikas persönlich wachsen kann und eine Entwicklung stattfinden kann. Die Meinung teile ich, ausser ich mache vor Ort Entwicklungshilfe mit Menschen die 30 - 40 Jahre bleiben. 

 

Bei Jürg Wyss weiss ich, und konnte ich mich überzeugen, dass jeder gespendete Franken für die Projekte genutzt wird. Daher meine Grosszügigkeit.

So ging das Projekt also in Donsol an den Start. Dazu muss der Leser wissen, dass das eine der ärmsten Regionen der Philippinen ist. Etwas Tourismus während der Saison der Walhaie, die in Donsol nicht angefüttert werden. Daneben wenig Industrie ausser der Fischerei. Doch eine unglaubliche Anzahl von Verkaufsläden Sari Sri genannt. Genauso mit mechanischen Werkstätten und Baumarktzu­be­hör. Vermeintlich erfolgreiche Ideen werden mehrfach kopiert. Neues kaum ausprobiert, denn wenn es funktionieren würde, würde es ja schon einer machen.

   

 

   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Merly und ihre mobile Küche

 

Das Parade Projekt von Jürg Wyss – aus meiner Sicht – in Donsol war eine mobile Küche. Die Merly, eine alleinerziehende Mutter mit ihrem schwerstbehinderten Sohn, betreiben konnte. Sie war quasi 100 m von zu Hause entfernt und konnte immer wieder nach­schau­en, wie es ihrem Sohn ging. Die mobile Küche wurde von Jürg Wyss finanziert und in Auftrag gegeben. Dazu ein Vertrag aufgesetzt, der das Eigentum nachwies und den Gebrauch regelte. Gleichzeitig coachte Jürg Merly im Einkauf, Kalkulation, Kundensegment und Angebot. So konnte er viel früher Einfluss nehmen und hatte zeitnahe Signale, wenn es schwierig werden würde. Auch Schweinezucht war ein Projekt, doch die kam nie richtig in die Gänge. Oder die Taschen und Portemonnaies aus Reissäcken. 

 

Dazu ist wichtig zu wissen, dass was der indische Erfinder der Mikrokredite ursprünglich im Sinne hatte und durchführte, hat auch Schattenseiten. In Indien steigen die Selbstmordraten von Frauen. Denn wenn eine Gemeinschaft von Frauen einen Kredit bekam, musste dieser im Todesfall nicht zurückbezahlt werden. Der soziale Druck der Frauengemeinschaft führte dazu, dass beim Scheitern des eigenen Projektes der Freitod gewählt wurde. In den Philippinen werden Kredite als Mikrokredite bezeichnet, die schlicht Wucher sind. Die Kredite werden als 5/6 bezeichnet. Der Kredit beträgt 5 Teile und die Rückzahlung beträgt 6 Teile. Da kommt jeden Tag jemand vorbei die Zinsen einzutreiben. Körperverletzung bei Verzug der Zinszahlung ist garantiert.

 

Aus diesen Gründen war Jürg Wyss wichtig, keinen Kredit zu geben, sondern eine Miete für den Gebrauch zu vereinbaren. So konnte sichergestellt werden, dass bei einem Scheitern des Projektes, die Küche für eine andere Frau wieder zum Einsatz hätte kommen können.

 

Grundsätzlich die beste Art überhaupt. Durch das laufende Coaching immer direkt im Bild. Hingegen aufwendig in der Umsetzung. Als Rentner, der nicht auf zusätzliches Einkommen angewiesen ist, hingegen wieder machbar. Das nur aufgrund des gewählten Wohnortes. Der übrigens auch bei digitalen Nomaden sehr beliebt ist. Die Philippinen gehören zu einer Reihe von Ländern, in denen steuerliche Vorteile gepaart sind mit tiefen Lebenshaltungskosten und einer hohen Lebensqualität. 

 

Parallel dazu entwickelte Jürg in Donsol aus Reissäcken Taschen und Portemonnaies. Doch dazu waren Nähmaschinen und handwerkliches Geschick notwendig. Dazu mussten die beteiligten Frauen erst ausgebildet werden. Der eingezäunte und selbst gebaute Kinderspiel­platz mit Spendengeldern, ein anderes Beispiel oder die Aktion, bei der die Bewohner selber den Strand vom Müll beseitig­ten. Vieles nur möglich mit einer Engelsgeduld und vielen Rückschlägen und Schwierigkeiten. Doch unglaublich befriedigend.

 

Doch jetzt in Negros Oriental ein neuer Anfang mit den integrierten Einsichten von Donsol. Der Fokus sind Frauen und Kinder. Die Männer sind weniger verlässlich. Das kann ich auch mit einen Afrika-Erfahrungen bestätigen. Die Frau leidet und macht es möglich.

 

Am Samstagmorgen kommen 6 Frauen aus einem Nachbardorf. Aktuell stellen sie eine Kleinserie Weihnachtsschmuck aus Mangoholz her. Zuvor haben sie Schmuck mit Kokosschalen und recycletem Plastik hergestellt. Das Projekt mit den Taschen aus Reissäcken ist nach wie vor aktuell. Doch mit welchem Material wird das Innenfutter gestaltet? Es soll ja aus recycletem Material gemacht sein. Einfach in der Schweiz Stoff zu kaufen, das kann es nicht sein.

 

Das klingt jetzt verrückt für mich als Schweizer. Der ich überall jederzeit ein vielfältiges Angebot habe und alles einkaufen kann. Oder innert kürzester Zeit das geliefert bekomme. In 8 Wochen Philippinen habe ich im Zusammenhang mit dem Einkaufen Unglaubliches erlebt. Die meisten grösseren Unternehmen gehören dort Chinesen und so auch die Einkaufshäuser und Bauhand­werk­läden inkl. Maschinen wie Bohrer, Schleifer, Generatoren etc. Die Schwierigkeit ist, dass ich regelmässig höre: «Out of Stock». Oder ich habe das Bandschleif­papier jedoch keine passende Bandschleifmaschine vor Ort. Mir kommt es vor als ob sie wie OTTO in der Schweiz Restposten aufkaufen. Ich konnte einen Rasierer kaufen doch keine passenden Klingen im Angebot. Später waren weder Rasierer noch Klingen erhältlich. Hintergrund Austausch des Anbieters. Bei den Lebensmitteln dasselbe kaum hast du dich auf etwas eingeschossen und liebgewonnen, ist es nicht mehr im Angebot. Egal was: Wein, Essig, Senf, Öl, Butter, Nüsse, Don Papa, Feuchttücher, Frühstücksflocken etc.  Für Schraube oder Stahlseile wendest du mindestens einen ganzen Tag auf, um das passende zu finden. Alles Dinge, die für uns so selbstverständlich sind. Lustig ist auch, wenn du Absperrband oder -gitter kaufst. Da wird im Laden das Ganze abgewickelt, ausgemessen oder Nägel und Schrauben werden per Stück verkauft und verrechnet. Wohlverstanden von Hand gezählt. Personalkosten sind derart tief, dass das nach wie vor möglich ist. Ich will jetzt nicht darlegen, wenn Jürg eine Farbe, einen Lack braucht oder sonst irgendein Werkzeug oder Material, wie aufwendig die Suche ist. Meistens ohne Erfolg. Ein gewöhnungsbedürftiger Umgang mit Kunden. Du hast zu kaufen was da ist und sonst lass es sein.

 

Zurück zum Projekt von Jürg. Die Frauen engagieren sich für den Schmuck gewaltig. Die Arbeit ist aufwendig. Die Scheiben schneiden noch das leichteste. Dann müssen diese getrocknet und geschliffen werden. Das trocknen geht schnell im Backofen, vor allem wenn die Temperatur hochgestellt wird und vergessen geht. Da sind dann halt schon einige Kohle­stücke dabei. Doch das passiert nicht mehr, diese eine Erfahrung hat gereicht. Wie bei allen Menschen kommen die Stärken und Schwächen der Frauen bei der Arbeit über die Dauer besser zum Ausdruck. Ein natürlicher Prozess und natür­lich­es Verhalten. Die ersten Käufe der Schmuck­stücke haben erste Entschä­digun­gen bei den Frauen ausgelöst. Das Lachen und die Freude in den Gesichtern zu sehen ist unbezahlbar.

 

Bisher hat das alles am langen Essens- und Arbeitstisch von Jürg stattgefunden. Seit kurzem ist im Nebengebäude ein ca. 30 - 35m2 grosser Raum zur Verfügung. Den haben wir bei meinem Besuch elektrifiziert, die Tische zusammengebaut und alle foliert, Regale gebaut und alles gezügelt. Tische zusammengebaut d.h. von A - Z selbst gemacht. Beine und Platten waren bereits zugeschnitten vor Ort. Doch 9 Tische, als Laien bauen, haben Jürg und mich gefordert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die 9 Tische selber gebaut wie auch die Stromversorgung. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Werkbank und Schrank um die Maschinen und Computer weg zu schliessen. Der neue Raum für Schulung und Handwerk .

 

 

 

 

 

 

 

Kinder lernen über Erleben. Runden Zähler und Zeiterfassung für das selbst programmierte Autorennen fehlen. Spielerisch wird es draussen sofort klar. 
 

 

 

Der Werktisch musste ebenso in das Nebengebäude umziehen. Wobei der Werktisch war eine Hausnummer zu gross und schwer. Der Umzug mit dem Gewicht des Werktisch­es hat bei Jürg den Ischias aktiviert. Am Tag danach hat er gelitten und im Nachhinein weiss ich, das auch noch ein Spitalbesuch nötig war, um die Schmerzen zu behandeln. Die letzten 2 Wochen war vieles zu machen. Ich habe gerne geholfen. Trotz dem Schwitzen ohne Ende von mir. Wobei an dem Tag war auch noch der Zaun und vieles andere auf der Pendenzenliste.

 

Sein zweites Projekt ist Kindern den Umgang mit dem PC und vor allem auch aufzuzeigen, dass nicht alles wahr ist was z.B. auf Facebook oder YouTube steht. Dazu muss der Leser wissen, dass auf den Philippinen die Nutzung von Facebook und YouTube Extremwerte erreicht. Jugendliche und Kinder surfen auf dem Netz stundenlang respektive tagelang. Viele haben 2 - 3 Accounts, um darzustellen was sie für ein großartiges Leben haben. Jeder Account hat einen speziellen Zweck auch das ist halt ein Teil der Philippinen, die weniger erfreulich sind. Das Land ist populär für Touristen und Rentner. Das lockt leider auch zwielichtige Gestalten an: Sextourismus.

 

Das führt dazu, dass Jürg in seinem Unterricht immer ein Elternteil dabei hat, um sich selbst zu schützen. Als Ausländer mit Kindern im Jugendalter allein zusammen zu sein ohne die Eltern, hat schneller eine Anklage «Pädophilie» zur Folge, als ich denken kann. Das die Schattenseiten dieses Landes. Hingegen eben auch die Chance für die Kinder, die den PC Kurs besuchen den Umgang mit dem Medium der Zukunft zu lernen. Den Anfang, den ich mitbekam, es wurde ein Bild gezeichnet und einige der gezeichneten Objekte, wurden in Bewegung gesetzt. Seien es die Vögel, die über die Zeichnung flogen oder Wolken, die sich bewegten. Das erforderte viel Kreativität und Auseinandersetzung auch mit dem Medium Fotografieren. Die, die sich zu bewegenden Teile wurden ausgeschnitten (Vögel, Wolken) auf einem Blatt aufgelegt, fotografiert, bewegt, fotografiert, bewegt etc. die vielen Bilder dann zu einem Film zusammengeschnitten. Im zweiten Streich wurden fliegende Autos und Flugzeuge mit Kulisse produziert. Also jedes Mal eine Steigerung.

 

Ich staunte nicht schlecht, als die Kinder wählen konnten zwischen program­mieren und eigene Homepage gestalten, das Programmieren gewann. So durfte ich noch erleben wie sie Autorennen und Katzenjagd auf Mäuse innert 3 Treffen programmierten. Um das Autorennen vollständig fahren zu können musste ich sicher 10 x anfangen. Die Kinder sind hingegen sehr locker innert kürzester Zeit im Eiltempo um den Rundkurs gefahren. Die schnelle Auffassungsgabe und der Elan Einzelner erstaunlich. Dann wieder andere Kinder, die sich kaum trauten, eigene Schritte zu machen. Meistens waren das die Kinder, die von ihren Müttern behütet und überversorgt wurden. Da ist bei mir dann Ärger und Wut aufgetaucht. Viel Unverständnis gegenüber Müttern, die mit dem Bemuttern das Selbstvertrauen zerstören. So wird der Einstieg ins Leben noch schwieriger.

 

Um die Rundenzahl und Uhr einzubauen nahm Jürg die Kinder nach draussen. Er liess mal einen Jungen 5 x um den Mango Holzhaufen laufen. Oder liess jeden Einzelnen eine kurze Strecke laufen und fragte als alle das getan hatten: wer ist jetzt der Schnellste gewesen? So dämmerte den Kindern sehr schnell, dass sie noch ein Zählwerk und eine Uhr einbauen mussten. Entdeckendes Lernen vom Feinsten.

 

Ohne Moos nichts los. Das Klima mit der hohen Feuchtigkeit zerrt an den Computern. Und ohne diese PC's kann Jürg die Kurse nicht anbieten. Dabei wäre es auch schön leistungsstärkere PC's zu haben, damit die nötige Rechenleistung auch vorhanden wäre. Heute geht alles etwas langsamer. Also wer das liest und Zugang zu PC's, Produzenten oder Händler hat, unbedingt Quelle anzapfen. Jürg kann mind. 10 dieser PC's brauchen. Innert eines Jahres sind nun 3 PC's in die Knie gegangen und das obwohl sie immer am trockensten Ort weggeschlossen sind. Das Klima und die Meeresnähe haben Einfluss. Selbstverständlich sind auch Gebrauchte herzlich willkommen.

 

Übrigens damit die Frauen wie Kinder das überhaupt machen können, hat Jürg Wyss sein Wochenende zum Arbeitswochenende erklärt. Am Samstagmorgen kommen die Frauen bis ca. 13 00 Uhr und um 13 30 Uhr bis 16 00 Uhr die erste Klasse Kinder. Die zweite Klasse kommt am Sonntag um 13 00 Uhr. Also am Wochenende ist Jürg ein vielbeschäftigter Mann.

 

Doch auch unter der Woche ist viel los. Die Tage sind lang, wenn um 3 oder 4 Uhr in der früh mit der Schweiz Skype-Telefonate anstehen. Seine Kunden in der Schweiz schätzen die Erreichbarkeit von Jürg trotz der 6 Std. Zeitverschiebung. Er berät mit seinen Kenntnissen das Thema Verkauf. Eine andere Stärke ist Geschäftsmo­delle entwickeln, die sich von Mitbewerbern abheben. Doch dass gibt dann lage Tage speziell, wenn noch der Wocheneinkauf ansteht.

 

Der Wocheneinkauf zusammen mit der Wäsche nimmt einen ganzen Tag in Anspruch. Zu Fuss an die Hauptstrasse, dort mit Bus oder Jeepney (umgebaute Jeeps, die verlängert wurden) nach Dumaguete. Wäsche bringen, umsteigen auf Tricyclette (Motorrad mit Beiwagen), einkaufen, Mittagessen und retour Wäsche holen. So eine Runde kann dann schon mal 6 - 7h in Anspruch nehmen. Die Uhren gehen langsamer auf Negros Oriental. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gemüseanbau etwas vom Schwierigsten. Unklar ist wieso das Eine wächst und das Andere nicht. 

 

 

Der Garten, das Versuchslabor in Reinkultur mit Kräutern und Gemüse, eine Herausforderung der 5. oder 6. Dimension. Anspruchsvoll ohne Ende und kaum vorstellbar, dass Gemüse auf Negros Oriental mehr kostet als Fleisch. Wie schon erwähnt: eine Peperoni kann schon mal CHF 4.- kosten. Ansäen, sehen wie es spriesst und dann über Nacht in die Knie geht. Ja. Aktuell sind gerade Melonen am Blühen. Doch das heisst noch gar nichts. Bisher ist vieles eingegangen bevor es geerntet werden konnte. Geduld ist gefragt und somit ein gutes Training für Jürg Wyss. Doch die Infrastruktur und Schutzvorkehrungen werden auch immer besser. Drücke Daumen, dass sich der Aufwand lohnt und Jürg eine grosse Ernte einfährt.

 

OK, früher haben die Hühner da auch noch ein zwei Wörter mitgesprochen, doch seit Goku, der belgische Schäferhund (Malinois) eingezogen ist, herrscht Ruhe. Hühnermässig meine ich. Aufmerksam wie er ist, kann sich niemand auf dem Grundstück bewegen ohne das Goku das nicht mitkriegt. Das hat dazu geführt, dass die Hühner sich nicht mehr auf das Grundstück trauen. Besucher machen sich öfters bereits vor dem Tor sich bemerkbar. Dabei ist Goku erst knapp 6 Monate alt. Er ist bereits grösser als die ausgewachsene 9-jährige Nachbars­hün­din, die auch eine Malinois ist.  

 

In dem Sinne ist das Lebensmodell von Jürg Wyss nachahmenswert. Nützlich sein und die eigenen Erfahrungen und Kenntnisse weitergeben. Anstelle auf das Altengeleise gestellt zu werden, wie das in der Schweiz öfters der Fall ist. Wer Rentner ist und Interesse hat unbedingt bei Jürg melden. Er ist gerne bereit seine Erfahrungen weiterzugeben.

 

Mich würde es freuen, wenn wieder vermehrt Spender aktiv werden und die Projekte von Jürg unterstützen. Deshalb hier noch mal die Konto Nummer. Auch Sachspenden wie PC's, Schleifmaschinen, etc. fragt einfach was er braucht. Oder besucht ihn doch einfach mal. Es lohnt sich eine wunderbarer Ort und vieles in nächster Umgebung zu entdecken.

 

 

Juerg Wyss

Sonnenburggutstrasse 15

8200 Schaffhausen

 

Postcheck Konto IBAN CH32 0900 0000 3018 6017 5

 

https://estartup.ch/#home

 

 

Auf der Homepage sind die kommenden Projekte, Liste der notwendigen Geräte, Materialien und nötigen Geldbeträge aufgeführt. Auch das neue Projekt 1 Kilo Plastik für 1 Kilo Reis.

 

 

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