Swissphoton - Solarpanelproduktion „Strom“ – Haltung – Sinnhaftigkeit – Ressourcen begrenzen

March 4, 2019

Andres Wirz habe ich in der Schweiz, am Fest von Marco und Romy Bürki (Holzwerkstatt/La Luna, Bern) kennengelernt. Das Thema unseres kurzen Gesprächs waren die Auswahl des Standortes Sri Lanka und einzelne Herausforderungen des Aufbaus einer Solarproduktion. So habe ich mich bei Andres im Oktober gemeldet und nachgefragt, ob wir uns treffen könnten, wenn ich in Sri Lanka bin. Und ob er bereit wäre, die eine oder andere meiner Fragen zu beantworten. Er willigte grosszügig ein, im Wissen, dass er zu dieser Zeit höchstwahrscheinlich mehr-tägigen geschäftlichen Besuch haben wird. Was dann bei meiner Ankunft auch der Fall war. So rutschte der Besuch gegen das Ende meines Aufenthaltes in Sri Lanka.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die ganze Familie fliegt 2x pro Jahr in die Schweiz, weswegen sie öfters kritisiert wird. Aus meiner Sicht und gemachten Erfahrung zu Unrecht. Diese ungerechten wie leichtfertigen Vorwürfe machen mich fassungslos. Denn was ich in der Fabrik wahrgenommen habe, durfte ich grosszügiger Weise auch im Heim der Familie Wirz persönlich erleben. Die beiden Kinder sollen einen Bezug zu den Jahreszeiten, der Schweiz, wie der grösseren Familie der Eltern bekommen. Was ich genauso als legitimes Ziel erachte. Wie sonst soll die Verbindung aufrechterhalten werden und der persönliche Austausch möglich sein? Schade, dass auch hier das – für mich – Unwesentliche derart Gewicht kriegt und ins Zentrum rückt. Ich bin überzeugt, wer den Bericht fertig liest, wird sich meiner Meinung anschlies­sen können. Am ersten Morgen nach meiner Anreise, quasi von Helgas Folly in Kandydirekt,nach Colombo, an den Familientisch und in die Produktionshalle. Im Anschluss und Dank der Empfehlung von Andres wurde, auch mein Ayurveda Spitalaufenthalt möglich.

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Das Familienleben, wie ich es mitkriege, hätte ich mir als Kind gewünscht. Bei mir steigen eigene Erinnerungen an meine Unterlassungen als Vater. Ab 1998, wo ich als Selbständiger Unternehmer startete, war die Arbeit wie eigene Weiterbildung im Vordergrund, anstelle meiner Nächsten. Nicht so bei Andres. Die Mahlzeiten am Morgen in der Früh ein Ritual, wie auch das Nachtessen am Abend. Und zwar nicht erst um 19:00 Uhr oder noch später. Ich bin überzeugt, dass das Teile von Grundlagen sind, die mir helfen glücklich und gesund zu bleiben.

 

Andres Wirz und ich fahren gemeinsam zur Fabrik. Wir schnappen uns ein Taxi. Da er gestern noch zwei Lötkolben in Colombo abgeholt hat, die aus dem Ausland geliefert wurden. Daher war ein Gang in die Stadt für die Zollformalitäten unabdingbar. Ich bin mit Stativ und Kamera bewaffnet. Meine Eindrücke über die Verkehrsteilnehmer, gelinde gesagt – unverschämt. Stau, wie wir das in Bern tagtäglich kennen, ist harmlos. Ebenso die Verkehrsübertretungen. Hier gilt das Recht des Stärkeren. Hinten schaut wer will. Vorne schaue ich. Dazu gibt’s immer wieder Beiträge in meinem Blog. Die Hupe ist das wichtigste Mittel bei einem Fahrzeug in Sri Lanka. Ohne würde es nicht mal die Strassenzulassung bestehen, eher mit abgefahrenen Reifen. Für die 18 km benötigen wir eine knappe Stunde.

 

Was mir Andres an Wissen vermittelt und offenbart will ich nicht alles verwenden. Die Offenheit, wie er mir über die Herausforderungen berichtet, Produktionsschritte mit Hintergrund zeigt und Schlüssel­elemente der Branche erläutert, beeindruckt. Gleichzeitig habe ich die Verantwortung, wie ich mit diesem Wissen umgehe. Ich bin jetzt quasi ein Geheimnisträger. Ich kriege das „Warum“ mit. Simon Sinek würde seine helle Freude haben. Genau das Vorgehen ist einer der wichtigsten Schlüssel im Umgang mit Personal. Für mich ist Simon Sinek einer der Managementberater, den auch ich verstehe und jedem Menschen ans Herz lege.

 

Andres macht das intuitiv aus seinem reichen Schatz von Erfahrungen, die er im Ausland von Kind aufsammeln konnte. Nepal, Schweiz, Ghana, Kenia oder jetzt Sri Lanka sind nur einige Stationen. Von einer Schule mit wenig bis gar keinem Leistungsanspruch, zur Ingenieur Ausbildung mit der Priorität maximale Leistung. Herausforderungen, Schwierigkeiten und Widersprüche ein ständiger Begleiter. Da hilft es wenig die heute oft üblichen Standardsätze..:  „Von nicht verstehen, nicht können, kompliziert, noch nie gemacht, etc.“ …einzusetzen. Die Lösung ist gefragt. Unabhängig der Rahmenbedingungen.

 

Äussere Anforderungen – Sinnhaftigkeit - Haltung

Nassim Taleb kein „Skin in the Game“. Er meint damit alle Vorteile zu haben, wenn das genommene Risiko aufgeht und ohne Konsequenzen zu bleiben, wenn es in die Hosen geht.  Ich nehme in der Fachliteratur über Personalführung viel Theorie, Worthülsen und Abgedroschenes wahr. Zu oft bleibt es beim Papier, das einmal im Jahr während des Audits benutzt wird. Stichworte dazu sind Qualitätsmanage­m­ent, Handbücher, Zertifikate und Personal-Reglemente. Theorie und Praxis klaffen weit auseinander. Dabei geht es meistens darum, im Schadenfall nicht schuld zu sein. Rückverfolg- wie Nachvoll­zieh­­bar­keit hat Grenzen. Diese werden heute aus meiner Sicht zu oft völlig falsch verstanden. Denn etwas was ich dokumentiert habe, ist kein Geheimnis mehr, wird fälschlicherweise zur Umgehung benutzt oder um meine Verantwortung zu verschieben. „Nichtschuld“ sein, wenn es schief geht im Zentrum. Oder in den Worten von

 

Jeder der lesen kann und die Materie versteht, findet die Lücke. Das Herz einer jeder Firma liegt offen da. So zu sagen Operation am offenen Herzen in der freien Wildbahn. Da nützen Zugriffsrechte und das Wegschliessen wenig. Es gibt genügend Beispiele. Viele Firmen und Auftritte ähneln sich. In der Finanzindustrie (Bank, Vermögens­ver­walter, Versicherung, Finanzberater…), Wirtschaftsberatung, Anwaltskanzleien etc. schnell erkennbar. Mir begegnen immerzu ähnliche, ja, beinahe identische Strukturen von Partnersystemen, Anstellung, Lohn, Entschädigung, Angebot und Auftritt. Kompetenz gepaart mit schönen Bilder, Äusserlichkeiten und kostspieligen Statussymbolen. Wichtig, die Verpackung. Das, was ich suche, finde ich nicht und die wichtigen Kennzahlen sind gut versteckt oder so aufgeführt, dass sie schon beinahe unbrauchbar sind. Hauptsache windschnittig mit wenig bis keiner Angriffsfläche. Das ist meine subjektive wiederkehrende Sicht. Quasi die Mehrheit kann nicht irren, also ist es richtig. Ein Wahnsinn.

 

Ein anderes Beispiel zum einfacheren Verständnis, sind die Flut neuer Gesetze: Zivilrecht, Strasse, Telefon, Sozial-recht, Gesundheit, Steuern, Bilanzierungsrichtlinien etc. Ein Heer von Experten setzt sich daran, die Lücke zu fin-den. Bevor das Gesetz in Kraft ist, gibt es schon eine Lösungs­variante das zu umgehen. Für etwas bezahle ich als Auftraggeber meine Experten. Strukturen werden unübersichtlich, mein Bedarf an Beratung steigt. Der persönliche Aufwand für den Unterhalt steigt. Ebenso mit den angehäuften Besitztümer. Willkommen im Hamsterrad unserer Zeit. 

 

Doch zurück zu meinem Besuch und Erleben in der Fabrik. Ich greife wieder mal vor und mein Kopf Kino läuft über. Meine eigenen Erfahrungen, Erlebnisse, die mir beim Aufbau, Betrieb, Struktu­rie­rung, Weiterentwicklung oder Sanierung von Firmen begegnet sind, laufen im Schnellzugstempo ab. Auch eigene private „Baustellen“ kommen hoch. Schwer, die Gedanken zu fassen, und die Fäden zusammen zu halten.

 

Ich bin an der Premiere der ersten Serie „Solarpanel Produktion“ dabei. Wenn Andres spricht, hebt er immer wieder den Nutzen, den das Personal hat, hervor – nicht den seinen. Er spricht fast ausschliesslich positiv. Jeder Fehler der jetzt gemacht werden könnte, ist jetzt noch einfach ausmerzbar d.h. zu korrigieren. Andres packt seine Crew am Stolz. Auch bei Fehlern kann sein Gegenüber das Gesicht wahren. Der Stolz auf die eigene Arbeit steigert die Qualität. Andres kontrolliert jedes Stück und findet die Fehler. Ich staune, in welcher Geschwindigkeit er die Details erfasst, die unstimmig sind. Er meint ganz trocken: Du siehst bei einem Depotauszug, Steuererklärung oder Bilanz doch genauso schnell den wunden Punkt.

 

Gleichzeitig kalkulierbare Risiken in den einzelnen Produktionsschritten abwägen. Wann greife ich ein? Was lasse ich laufen? Wo sind eigene Erfahrungen hilfreich? Immer unter der Voraussetzung, dass zu Beginn der Produktion viele Arbeitsschritte wenig eingeschliffen und routiniert sind. Genauso fehlen Erfahrungen, um einzelne Arbeitsvorgänge zu vereinfachen. Das fängt bei kleinsten Vorgängen an: Wo lege ich das Werkzeug hin? Wie ist die Position? Im Fokus Qualität und Effizienz. Voraussetzungen für das Eingehen potentieller Risiken sind die Mitarbeiter. Sofern dieser Vorgang den Mitarbeitern via Erfahrung ermöglicht zu lernen. Immer unter der Bedingung, die Korrektur wäre kostengünstig wie einfach möglich. Ein Balanceakt.

 

Wo eingreifen? Wo laufenlassen? Das Vorgehen und der Mut erzeugen, bleibende Wirkungen denn die Aufmerksamkeit seines Personals steigt. Wie die Qualität in der Produktion. Das Einzuschätzen ist eine Kunst sondergleich­en. Seine vielfältigen, praktischen Lebens- und Berufserfahrungen in den verschiedensten Kontinenten und Ländern helfen. Das präzise Vorgehen erinnert mich an einen Pferde­flüst­erer, der mit geringsten Eingriffen, Körperhaltung, Bestimmtheit, Geduld, Zug und Schnalzen bestimmt, wo es lang geht. Ein sensibles Gefüge, das alle Aufmerksamkeit und Können erfordert.

 

Seine eigenen Mittel sind begrenzt und durch den Bau der eigenen Halle erheblich reduziert worden. Denn das mit der Miete einer Lager- oder Produktionshalle ging nicht. In Sri Lanka werden von den Einheimischen die Gebäude regelmässig auf die Grenzen gebaut. Korruption sei Dank. Feuerpolizeilich konnte er die Bewilligung nur erhalten, indem er einen Grenzabstand einhielt. Bestechung kam nie in Frage. Trotz der Mehrauslagen. Freiheit wie Unabhängigkeit hat seinen Preis 

 

Da ist Kreativität gefragt. Je mehr Missverständnisse und Unsicherheiten jetzt auftauchen, umso sicherer kann er seine Produktion und Qualitätsanspruch realisieren. Logisch. Doch die Umsetzung in der Praxis ist eine harte Nuss. Ein zentrales Element kommt immer wieder: Langsam. Erinnere mich an mein eigenes lehrerhaftes Verhalten. Mein wiederkehrendes Korrigieren. Oder mit welchem Tempo ich umsetzen kann und mein Gegenüber nicht Schritt halten kann. Das Resultat oft Widerstand.

 

Zwei deckungsgleiche riesige Maschinen stehen in der Halle nebeneinander. Er hat sie aus einer Konkursmasse in Deutschland gekauft. Ohne Serviceverträge. Jedes Teil der Maschine kann einfach ersetzt werden – mehrheitlich mechanisch. Im englischen Fachjargon: Heavy Duty. Das Risiko eines Ausfalles der Maschine wird so tragbar. Denn im schlimmsten Fall baut er das fehlende Ersatzteil bei der deckungsgleichen Maschine aus und bei der stillstehenden Maschine wieder ein. So wird die Produktion sicherer, mit fast keinen Ausfallzeiten. Eine Maschine ist ständig in Betrieb und könnte bei einem Ausfall, mit Teilen der zweiten Maschine über Nacht repariert werden. 

 

Das Kernstück der Maschinen ist die Steuerung, sprich Software für den Prozess der Verbindung von Folien und Glas. Diese hat Andres selber angepasst. Die Standardsoftware hat er eigenhändig in wo­chen­langer Nachtarbeit weiter entwickelt und angepasst. Gepröbelt. Versucht. Gescheitert. Bis zum heutigen Stand. Besucher wie Abnehmer der ersten Prototypen in der Schweiz sind verblüfft über die Qualität. Ich höre immer wieder den ganzen Tag:

  • Langsam, Personal bremsen, hinweisen müde von der Arbeit OK - nicht vom vielen Laufen

  • Wo ist der Platz: Arbeitsprozesse, exakter Ort von Werkzeugen, Aufbewahrung etc.

Einfache Lösungen wie die Doppelspurigkeit von Maschinen, hat bei Andres System. Statt die ganze Halle mit einer riesigen Klimaanlage zu kühlen, hat er mit dem Verpackungs- und Dämmmaterial des Maschinentransports einen kleinen Raum in der Halle gebaut. Dies im Gegensatz zu den meisten Industriehallen, Hotels, Zimmer wie Einkaufszentren (Sri Lanka, Philippinen) die derart runtergekühlt werden, dass ich meistens friere. Eine sinnlose Energieverschwendung. 

 

SwissphotonIn diesem gekühlten Raum werden die Glas Panel bestückt. Betrieben mit zwei kleinen Klimaanlagen und äusserst geringem Stromverbrauch. Chapeau. Der Raum kann mit der genialen Isola­tion auch nur mit einem Gerät betrieben werden. Der Stromverbrauch mit dem Bruchteil der Leistung, vernachlässigbar. Die Konsequenz, wie haushälterisch mit Energie umgegangen wird, lässt mich staunen. Wo ich hinschaue und was ich mitkriege, Energieverbrauch reduzieren ein fixer Ankerpunkt. Die Umwelt wie das Klima kein Feigenblatt, sondern im Zentrum allen Handelns von Andres und seiner.

 

Die Prozessschrit­te sind Insellösungen, losgelöst und separiert. Jeder Mitarbeiter beherrscht mindestens 2-4 wichtige Produk­tions­schritte. So kann bei Ausfall und Mitarbeiterfluktuation ohne Qualitätseinbusse die Produktion aufrechterhalten oder ausgewichen werden auf einen anderen Prozessschritt. Ein effizientes wie schlich­tes Hilfsmittel. Das reduziert Abhängigkeiten in einem kaum vorstellbaren Mass. Bedingt Konsequenz, Hirnschmalz und das ist ein umfassendes Qualitäts­mana­ge­­ment, in meinem Verständnis.

 

 Die Methode der Fertigung abgekürzt, denn es sind mehr Zwischenschritte nötig:

  • 1 Panel bestückt mit Leitungen für die Stromproduktion

  • 1 Glasteil bildet die Rückseite

  • Dazwischen je 1x Helle und Dunkle Folie

  • Laminator, Aufheizen, mit Vakuum Luft entziehen, Pressen fertig

  • Rahmen mit Anschlüssen und Kabeln montieren

  • Fertiger doppelglasiger Panel integrieren

Klingt einfach.

 

Ich habe innen wie aussen Fotos gemacht, dokumentiert und teilweise auch gefilmt. Jetzt sind meine Fertigkeiten gefragt. Das Logo will ich in Bild und Film integrieren. Meine Zusage kam schnell, ich will ja nützlich sein und mich erkenntlich zeigen. Einen Ausgleich schaffen. Reziprozität wirkt bei mir ebenso. Die Macht der Situation dominant präsent.

 

Mitbegründer = Solafrica 

 

Gründer/Inhaber = Swissphoton

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am 28.3.2019 um 18 30 Uhr in Rubigen in den Räumen (Remise) der Dr. Werner Sidler Stiftung, berichte ich. Platz Reservation: www.financialcoach.ch -  a-z@financialcoach.ch  - 031 711 52 54

 

 

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