Ich fahre Töff mit einem Rad zuwenig

January 31, 2019

Ja, ich traue mich was. Während der letzten 20 Jahre Seitenwagen fahren habe ich auf das Fahren von Motorrädern sprich 2 Rädern verzichtet. Hintergrund, die fehlende Praxis und das komplett verdrehte Verhalten beim Seitenwagen fahren. Solange ich Gas gebe, ist das Gespann lenkbar. Wer vom Gas geht oder bremst fährt meistens gerade aus - unlenkbar.  Es gibt viele Geschichten von Gespannfahrern die im Grünen gelandet sind. Dann gibts noch andere Tricks und Kniffe die diesen Blog sprengen. Hingegen beim Solomotorrrad wenig hilfreich sind.

 

Gerry der Besitzer des IceBears Hotels, begleitet mich einen Tag lang auf dem Weg nach Norden. Er macht sich Sorgen, dass ich im Verkehr von Sri Lanka zu Schaden komme. Wenn der wüsste, dass ich 20 Jahre nicht mehr gefahren bin, würde der sich das gut überlegen. Das Verkehrsprinzip Sri Lankas ganz einfach. 

 

Wer überholt, nutzt die Hupe. Das ist absolut wichtig. Wer den Bus ohne zu hupen überholt, muss sich klar darüber sein, dass der Busfahrer ausschert, ohne Rücksicht auf Verluste. Das ist ein ganz spezielles Volk - die Busfahrer. Sie kauen als Doping einen Betelnusscocktail mit Tabak gemischt und spucken diesen zum Fenster raus. Das ist dann eine rote Brühe. Habe mich gestern darin versucht. Es heisst es kühlt den Körper von innen und hält wach. Noch Fragen.

 

Ich habe viele Länder schon bereist. Busfahrer dieser Art nie gesehen. Sri Lanka und Busfahrer bedeutet; Achtung Kamikaze. Genau so verhalten sich die Verkehrsteilnehmer; anhalten und Platz machen. Die Busse sind massiv gebaut, kommt dazu.

 

Wir fahren in der früh bereits um 6 30 Uhr los. Zuvor wird das Personal nochmal abgefragt, was sie tun bei Feuer, Unfall etc. Ich staune. Ja, er ist sicher nicht das erste Mal weg. Sein Personal ist teilweise schon über 15 Jahre dabei. Ich habe von ihm persönlich eine heisse Ovo zubereitet bekommen. Wie geht das mit der Ovomaltine; kannst länger.  

 

Gerry ist auf seiner Intruder und ich auf meiner Royal Enfield mit 350 ccm. Seitentaschen gefüllt und in meinem grünen Lederrucksack all das technische Zeugs. Ausser der Kamera, die ist in Fahrtrichtung in der rechten Seitentasche griffbereit. Die Geschwindigkeit ist im Schnitt zwischen 40-60 km/h. Einmal waren wir für ca. 30 Sekunden mit 80 km/h unterwegs - gemütlich. Zeit die Gegend anzuschauen, wenn der Verkehr weniger dicht war. 

 

Das Gewusel auf der Strasse ist wenig durchschaubar. Was klar ist, wer lauter hupt und sich frecher bewegt, kommt eher zu seinem Recht. Ja, die Arme und Hände werden auch benutzt. Die Polizei topt das Ganze indem sie mitten auf der Strasse steht, wo es niemand braucht und in die Trillerpfeife bläst. An grossen Kreuzungen sieht es chaotisch aus, näher betrachtet ist das ein Reiss Verschluss Verfahren ergänzt mit quer stehenden Verkehrsteilnehmern. Ich habe alle Hände voll zu tun, schauen, bremsen, ahnen was der vor, neben, hinter mir alles machen könnte. Gehe immer davon aus, dass er das tut, was du dir nicht vorstellen kann. Diese Haltung fördert die Aufmerksamkeit aller Teilnehmer. So unwahrscheinlich es klingt. Mein defensiver Fahrstil hilft zusätzlich. 

 

Wir machen 4 Mal einen Halt. Der erste ist nach den Katamaranen der Fischer von Negombo. Das Licht und die Stimmung mit dem Nebel perfekt für sensationelle Bilder. Beim Stopp dann alles da nur keine Katamarane mehr. Dafür der grösste Betonklotz Negombos im Bau. Wer baut und investiert - Chinesen.  Dazu mehr später in einem anderen Blog. 

 

Der Teehalt wie das Frühstück einmalige Kulisse. Ich bin so belegt von Eindrücken, dass Kamera im Gepäck bleibt. Ja, auch das passiert. Beim Händler von alten Tempel Innereien und Schiffahrt Zubehör dann wenigstens ein paar mit Handy. Also ich könnte mir das eine oder andere im Garten vorstellen oder vor meiner Haustüre: Holzpferd, alte Taue, Säulen, Tische...

  

Die Fahrt geht von Negombo hoch bis zur Halbinsel bei Puttalam. Wir fahren ans äusserste Ende der Halbinsel und fragen uns durch für eine Unterkunft. Das "Public Relation Office" ist besetzt von der NAVY Sri Lankas. Kein Witz. wo wir Europäer ein Touristenoffice erwarten von der Benennung her, ist es hier die NAVY. Sie geben uns bereitwillig Auskunft. Auf der Karte sieht es einfach aus. 

 

Hotels sind an einem Ort etwa 5 km vor der Ortschaft "ungefähr" ausgeschildert. Das haben wir am nächsten Tag raus gefunden, sprich gesehen. Ich bin im Strassen wirrwarr herum geirrt und Gerry lachend hinter mir her. Frei nach dem Motto du fährst voraus, ich will nichts studieren. Das Lachen ist ihm dann schon 2-3 Mal vergangen. Nach 1h üben und keinem Hotel weit und breit in Sicht, haben wir uns ein Tuk Tuk gekapert. Das bringt uns über Stock und Stein, wo ich in meinen wildesten Träumen nicht durchgefahren wäre. Nach 25 Minuten halten wir bei einem Restaurant. 

 

Er spricht mit dem Besitzer und gibt uns dort quasi zur Aufbewahrung und Weiterverarbeitung ab. Der Besitzer des Restaurants begrüsst: Hello Mister Gerry, you are the Owner of the Icebaer in Negombo. Bin einmal mehr sprachlos. Gerry und ich schauen uns völlig verdattert an.

 

Die Auflösung "Fawmir" hat vor 22 Jahren im "Lucky Postoffice" in Negombo gearbeitet. Ist jetzt im September nach einem 15 jährigen Aufenthalt in Italien zurück in seinem Heimatdorf. Er war der Postbote und hat alle Faxe entgegen genommen vom Icebear. Gerry schwört nie ein Wort ausser Grüssen, Bedanken, Verabschieden mit ihm gesprochen zu haben. "Fawmir" bestätigt das und weist darauf hin, dass er hingegen immer freundlich gewesen sei. Er empfiehlt uns das Hotel in Sichtweite. Die Zimmer seien wunderschön. Doch zuerst wird Durst gelöscht und was Kleines gegessen.

 

Das Hotel dann 70 Euro pro Person mit Abendessen und Frühstück. Ayurveda muss der nicht Sri Lanka Kenner wissen, ist eine Methode mich Gesund zu erhalten und/oder Giftstoffe aus dem Körper zu schwemmen. Das geschieht über die Ernährung und den Verzicht von Alkohol und Tabak. Das Hotel deshalb alkoholfrei. Liegt direkt in der Lagune wo all die Kit Surfer sich tummeln. Eine Augenweide: die Anlage, das Hotel, die Einrichtung. Der Eintrag im Gästebuch eines Gastes völlig unverständlich: Zu hohen Chlorgehalt reklamiert sprich bemängelt. Das Schöne wie stimmige in keiner Art und Weise erwähnt. Der Abend ging dann gemütlich bei Zigarre und Wasser zu Ende.

 

Am Morgen sind wir gemeinsam losgefahren bis an die Wegkreuzung. Ich nach Norden alleine und Gerry alleine nach Süden, Heim zu.

 

Ich bin dann knapp 50 km gefahren, bis ich das 1. Mal am Boden lag. Der Platz optimal gewählt. Kurz nach dem Beginn des Nationalparks Wilpattu gibt’s eine Furt. So was von Glatt. Nach ¾ der Wegstrecke lag ich im kühlen Fluss. So was von Nass. Von Kopf bis Fuss gut eingetaucht. Hingegen jetzt kräftig abgekühlt. Erinnert ihr Euch? Mein elektronisches Equipment rechts in der Seitentasche und im Lederrucksack auf dem Gepäckträger. Das alles trocken. Hingegen meine gesamte Wäsche in der linken Seitentasche tropfnass. Ja, was ich vergass, wer in Nationalparks rumkurvt fährt auf Schotter, Sandpisten, Wellblechabschnitten und Löchern von bis zu 50 cm Tiefe. Das kenne ich ja von Afrika her, kein Thema.  

 

Hingegen gab es Abschnitte von bis zu 10km von feinstem pulverisiertem Sand. Also Mehl ist verglichen dazu grobkörnig. Es kam wie es kommen musste. Ein zweites Mal landete ich im Strassengraben. Anstelle anzuhalten habe ich mich Links gehalten und wollte das Auto passieren lassen – Rechts. Der „Tourist“ hat mich noch mehr abgedrängt und da war nur noch dieser feine Sand und Dornengestrüpp. Die Reifen geeignet für die Teerstrasse sicher nicht für diese Verhältnisse. Mein Abflug war heftig wie schmerzhaft. Ohne anzuhalten hat sich der Autofahrer verdünnisiert, deshalb nehme ich an war es ein Tourist. Die Menschen hier sind derart freundlich wie hilfsbereit, dass das Verhalten unvorstellbar ist.  

 

Ich dann nach gefühlten 3-4 Minuten versucht aufzustehen. Das ging schlicht nicht. Heute weiss ich, dass ich mir den Wirbel nach dem Steissbein aufs heftigste, gestaucht habe. Motorrad aufstellen; so schön die Royal Enfield aussieht, so schwer ist sie. Da musste ich durch. Kann ja nicht im Nationalpark liegen bleiben wo so niedliche Tiere wie Elefanten, Leoparden, Wildschweine, Lippenbären etc. meinen Weg kreuzen könnten. Abgesehen von den Schlangen.

 

Mit Leiden und Mühen den Weg hinter mich gebracht. Kam noch dazu, dass ein Gummizug riss und mir der Lederrucksack verrutschte, Übergewicht bekam und seitlich runterfiel. Das I-Pad benötigt einen neuen Bildschirm. Im Gegenzug in Mannar auf der nächsten Halbinsel so viel Hilfe erhalten hab, dass es das ausgleicht. Der Sturzbügel der Royal Enfield wurde ebenso in Mitleidenschaft gezogen. Dazu benötigte ich einen Mechaniker oder mind. Werkzeuge wie Material.

 

In der ersten Garage haben sie mir umgehend geholfen, der Sturzbügel war innert Kürze wieder an Ort und Stelle. Die Frage nach Hotel und Physiotherapeut hat viel Bewegung ausgelöst. Die Reparatur hat mir der Besitzer offeriert. Der erste Weg gleich zur Physiobehandlung. Ebenfalls Gratis. Dort habe ich jedoch 2‘000 Rupien gespendet. Umgerechnet CHF 10.- Die Behandlung einfach wie effizient: anstelle kühlen heiss gemacht und mit ein paar Griffen und Salbe den Schmerz weggezaubert.  

 

Das „Resthaus“ war schnell gefunden. Das sind staatliche wie private einfache Unterkünfte für CHF 15.- bis 20.- mit der Chance mit der einheimischen Bevölkerung in Kontakt zu treten. Klima und Umwelt sehr wohl ein Thema. Im Zimmer und zum Essen gab es Wasser aus dem Krug. Die meisten Restaurants und Hotel bieten Wasser in Plastikflaschen an. Und zwar in allen Grössen. Die sieht man dann am Wegrand wie Strand zu Hauf herumliegen. Ja sogar im Nationalpark habe ich 2x angehalten und welche zusammen gelesen. Der Besitzer kauft 20 Liter Behälter die nachfüllbar sind. Respekt. Dazu ist wichtig zu wissen, dass neben dem „Resthaus“ ein Vogelparadies sondergleichen ist. Also sensibilisiert. Danach ist mir die Solaranlage wie das Windrad aufgefallen. Sogar die Seife und das Shampoo im Bad sind nicht in Kleinstmengen abgepackt, alles auffüllbar.  

 

In Mannar gibt es übrigens den einzigen Baobab Baum Sri Lankas. Ursprung ist Afrika. Für Elefanten ein wichtiger Baum, da das ihr Wasserspeicher ist. Hier war auch bis 1964 eine direkte Verbindung mit Indien die ein Zyklon 1964 wegriss. Bis dahin gab es Fähre und Eisenbahnlinie. JA Indien ist nur ein Steinwurf entfernt. Ja, ich weiss ein grosser Steinwurf.

 

Ich habe die ganze Nacht weniger oder mehr die verordneten Übungen gemacht. Einen Tag ausgesetzt und bin dann halt nicht ganz bis Jaffna hoch. Doch eins ist klar, wenn ich wieder komme, nehme ich mir den Norden vor und lass den Rest auf der Seite. Was auffällig ist je mehr du gegen Norden kommst umso sauberer wird es. Die vielen bunten wie schrägen Werbeschilder verschwinden genauso. Der Verkehr ist gering. Die Menschen auf der Strasse winken dir zu. Auch die Preise ändern gewaltig. Bauruinen vom Bürgerkrieg sind nach wie vor zu sehen. Ebenso viele Militärstationen. Die Rückreise nach Colombo, dann Genuss pur. Auch auf kleinen holperigen Seitenstrassen.

 

Die Zeche kam dann bei der Rückgabe des Motorrades. Der Vermieter hat mir von meinem Depot CHF 200.- einen Viertel abgeknüpft. Das Schutzblech vorne hatte einen Kratzer und die Fussrasten waren noch etwas verbogen. Als ich reklamieren wollte, blieb mir die Spucke weg. Ich soll doch unbedingt auf TripAdvisor einen Beitrag machen wie gut ich den Service fand. Und gleichzeitig gab er mir eine Tasse mit Firmenaufdruck und zwei Kugelschreiber. Kam mir veräppelt vor. Konnte mich des Gedanken nicht erwehren kräftig gemolken worden zu sein.

 

Ich dafür doch frohen Mutes ins Icebaer zurück auf meinen eigenen Füssen und ohne zu hinken. Einfach etwas Steif. Habe mir gleich noch eine Ayurveda Massage mit Stirnaufguss und Dampfbad gegönnt. Die Behandlung hat knapp 3h gedauert und CHF 80.- gekostet.

 

Die Moral der GSchicht:

Ich habe eines meiner Grundprinzipen – keine Solomotorräder fahren - missachtet und postwendend dafür bezahlt.

Jetzt weiss ich auch aus praktischer Erfahrung wieso ich keine Solomotorräder fahre, denen fehlt ein Rad.

 

Sthuthi (Danke) Sri Lanka  

 

Der Musikclip zeigt Sri Lanka in einer wunderbaren Weise: 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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© 2017 eckraum // gerold schlegel