Gerd Haisch hat in Sri Lanka sein Paradies und Eisbären gefunden

January 21, 2019

Ich bin am 17.1.2019 am Mittag in Sri Lanka angekommen etwas zerschlagen und müde, war 19h unterwegs mit wenig Schlaf. Das stecke ich mit 56 Jahren weniger leicht weg als früher. Gott sei Dank wurde ich abgeholt und musste mich um nichts kümmern.

 

Einzig die SIM Karte habe ich gleich am Flughafen gewechselt. Wie war ich erleichtert und erstaunt, wie kundenorientiert der Verkäufer die SIM Karte wechselte, Einstellungen anpasste. Der Preis ebenso günstig für 20 GB Datenverkehr und Telefongespräche. Jetzt ist es mir klar. Ich erhalte beim Einsatz meines Handys regelmässig Push Nachrichten und Werbebotschaften. Anstatt das jetzt zu ändern, liess ich das bleiben, sehe es eher als Erziehung, mein Handy weniger zu nutzen. Ja auch in Sri Lanka laufen die Menschen mit gesenkten Köpfen und verkabelten Köpfen umher, doch bedeutend weniger als in Tansania und der Schweiz. 

 

Sri Lanka hat viele Namen: Träne Indiens, Perle im indischen Ozean, die ehrenwerte Insel, glänzendes Land, Land ohne Sorgen… Ja sogar die erste Frau als Ministerpräsidentin der Welt kam 1960 von Sri Lanka - Sirimavo Bandaranaike!

 

Negombo ist der erste Ausgangsort für meine Entdeckungsreise und Suche nach Einsichten, Grundprinzipien, Rezepten und aktuellem Wissen.

 Die Lage meiner temporären Heimbasis zentral und direkt am Meer gelegen - TheIcebearGuestHouse. Wie komme ich denn auf diese Unterkunft? Ganz einfach: vor 10 Jahren habe ich meinen Weihnachts-/Neujahrsurlaub hier verbracht. Über sieben Ecken wurde mir dieser Geheimtipp dazumal vermittelt.

 

Der Garten und das TheIcebearGuestHouse ziehen mich magisch an. Wieso wohl? Es erinnert mich vieles an mein zu Hause in Rubigen. Es ist alles etwas verspielt, Kunst wechselt mit Kitsch. Im Garten können sich die Augen kaum sattsehen und alles erfassen. Verspieltes, Strandgut, alte Schwimmer von Fischernetzen, Objekte, weisse Korallen, Reste eines jungen Walkopfes, Lampen die mich eher an das französische Bistro erinnern, Vielfalt von Blumen, Sträuchern und Bäumen. Schattige Plätze wechseln mit sonnigen Liegeplätzen ab. Vögel, vorwitzige Streifenhörnchen, Schildkröten, Hühner, Gänse und die omnipräsenten Geckos. Eine sinnliche Erfahrung, wieder barfuss zu laufen, mal Sand, der Weg teilweise mit schneeweisen runden Betonelementen, Rasen, gepflasterte Abschnitte, Holzplanken, Granitplatten und direkt am Meer gelegen. Hier ist die Strömung so, dass baden auch für Kleinkinder möglich ist. Sri Lankas Küste hat extrem starke Strömungen, die für Menschen zur tödlichen Falle werden können.

 

Gerd Haisch, von Beruf Werber, war in der Schweiz bekannt, da er als einer der Ersten erkannt hat, dass Verkaufstechniken den Spass und Umsatz fördern. Dieses Wissen hat er mehrfach in Büchern und Seminaren vermittelt. Der Zeitgeist suggerierte ihm das Ziel der Pensionierung mit 50 vor. Er schaffte es mit 53 Jahren, verkaufte alles und wanderte aus. In Sri Lanka angekommen, hat er ein Grundstück direkt am Meer in Negombo, gekauft, seinen Altersitz gebaut und das alles kurz bevor der Bürgerkrieg losging.

 

Der Ausbau zum Gästehaus ist eine wunderbare Geschichte aus dem Leben. Drei bayrische Touristen waren unglücklich mit der gewählten Unterkunft. Am Strand trafen sie Gerry und fragten, ob er jemanden kenne, was er als Unterkunft empfehle? Zwei Zimmer waren gerade im eigenen Haus leer. So bot er an, sie sollten sich die Zimmer doch mal anschauen. Nach der Ansicht haben sich das Ehepaar und die Schwester der Ehefrau sofort für die Zimmer entschieden. Ganz einfache Dinge wie Preise, Frühstück, Abendessen, Getränke oder Zimmer noch komplett unklar. Also musste der Hausangestellte über Nacht neue Funktionen übernehmen. Gerry einigte sich, indem er die Hälfte des möglich anfallenden Gewinnes dem Angestellten, anbot. Es schaute schliesslich umgerechnet je CHF 50.- heraus. Die Unterkunft, ein Ort ohne Namen hatte eine schlichte Tafel vor der Türe – Zimmer zu vermieten, aber bereits eine Preisliste der Getränke und Essen die bei den wenigen Restaurants und Hotels der Umgebung abgeschaut wurden. Negombo war zu der Zeit noch ein verschlafenes Nest.

 

Langsam begannen die Gäste auch nach dem Namen dieser Oase zu fragen. Bei einer dieser Gelegenheiten kam Gerry spontan „Eisbär“ in den Sinn. Dazu muss der Leser Wissen: hier haben alle Hotels und Unterkünfte klingende Namen zu Glück, Paradies, Erholung und Ayurveda. Ähnlich wie in der Schweiz wo Restaurants und Hotels früher oft Sternen, Bahnhof, Post, Hirschen, Bären, Krone, Hirschen, Löwen... hiessen.

 

Heute bietet das Hotel „TheIcebaerGuestHouse“ Platz für 20 Gäste. 9 Zimmer, wovon 2 Einzelzimmer sind und 1 Appartement für fünf Personen. Klein wie fein. Es ist wie wenn ich bei Freunden zu Besuch bin. Ein wohltuender Gegensatz zu den Betonklötzen nordwärts, nach dem „TheIcebearGuestHouse“.

 

Die Mauer zum Meer hinaus und der Garten erinnern mich an Piratenfilme aus meiner Kindheit. Ja, ich weiss, ich habe eine blühende Fantasie. Der Torbogen jetzt einfach in gross gefüllt mit einem massiven Torgitter. Gegen die Hauptstrasse ebenso. Doch dazwischen ein Platz der Pflanzenvielfalt wie ich es von Malawi her kenne. Blogbeitrag Makuzi  Beach.

 

Als ich vor 10 Jahren das erste Mal hier über Weihnachten/Neujahr meine Ferien verbrachte war ich begeistert. Seither habe ich leider nie mehr den Weg hierher gefunden. Gerry und ich haben seinerzeit sogar ein Plakat gezeichnet mit einem Menu Vorschlag für Sylvester. 3x dürfen Sie raten: Afrikanisches Sylvester-Menu inkl. Musik. Das war der ausgeheckte Plan. Gerry fand es kann nicht sein, dass seine Küchenmann­schaft da so wenig beiträgt und seine Gäste quasi zu Mitarbeitern werden. Also wurde mein Vorschlag abgelehnt.

 

Seit meinem letzten Besuch hat sich einiges verändert im Garten. Mein Herz hüpft, dass es sich weiter zu einem Sammelsurium von Farben, Formen wie Vielfalt gemausert hat. Wer es einfach mag, gerne die Menschen dahinter kennt, lieber in kleinen Oasen sich erholt und etwas mit Geschichte und Charakter mag; der ist hier genau richtig. Individualität wie Einzigartigkeit im Fokus. Bildlich gesprochen weg von Massenhaltung. Einzigartig. Für mich perfekt. Seelenbalsam und fast sowas wie mein zu Hause.

 

Übrigens bereits bei der Ankunft habe ich das Personal vor den Kopf gestossen. Ich habe mir einen Gin mit Ginger Bier bestellt. Was in einer Verkostung hinter der Kulisse, unter Ausschluss von Gästen und mir stattfand. Neben dem „Gerry Spezial“ – Weisswein mit Tonic und Olive – ein neues Getränk. Mein Beitrag zu Entwicklungsarbeit und Kulturaustausch.

 

Beim Probieren eines meiner Mitbringsel; 3 Brotaufstriche mit Appenzeller Ingredienzien, der nächste Volltreffer. Dazu ein kurzer Abstecher: Kurz bevor ich nach Afrika abreiste, half ich 5 Gymnasiasten aus Appenzell bei der Entwicklung und Rezeptieren der Aufstrich Spezialitäten. Eine Projektarbeit mit eigener Organisation, und schweizweite Aktion. Das Geschäftsmodell und die Bedingung der Gymnasiasten: einheimische Zutaten. Was sich als echte Knacknuss herausstellte. Man denke da an Gewürze, Öl etc.  Das Resultat Brotaufstrich mit den Aromen: Nidelzelltli – Biberfladen – Pantli.

 

Als Auslandschweizer kommen manchmal Gelüste auf wie bei schwangeren Frauen. Bei Gerry sind das dann Würste oder andere handfeste Gerichte. Er wird jetzt anstelle Pantli, Siedfleisch gekocht, durch den Fleischwolf gedreht. Kleingehacktes Gemüse (Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer, Lauch, Rüebli, Sellerie, Peperoni…) bei kleinem Feuer langsam in Butter anziehen. Das Ganze mit Chili, Salz, Pfeffer, Curry, etc. würzen. Die Gemüsemasse darf versalzen und zu scharf sein. Denn das durchzogene Siedfleisch wird das aufsaugen wie ein Schwamm. Mit einem hochwertigen Olivenöl grosszügig ergänzen bis die Masse streichfähig wird. Abfüllen in Gläser und wie früher zu Grossmutters Zeiten -  sterilisieren. Voilà. Das war übrigens vor einigen Jahren das Weihnachtsgeschenk an meine Kunden. Vor zwei Jahren eine wichtige Ergänzung zum Essen. Wir waren zu Acht mit Vier SUV Auto knapp Vier Wochen in Marokko auf Achse. Einmal als Brotaufstrich, dann zu der Spagettisauce oder Eierspeise morgens. 

 

Damit die Küche vermehrt europäische wie Schweizer Gerichte kochen konnte, haben Gäste oft Rezepte ins TheIcebearGuestHouse mitgebracht. Egal ob Vorspeise, Suppe, Hauptgang, Dessert, Brot etc. Alles wurde in einem Kochbuch festgehalten und gemeinsam mit der Mannschaft gekocht. So wurde das Angebot der Speisen ad hoc weiterentwickelt. Jetzt findet meine Idee einen Platz in Sri Lanka. Vor zwei Jahren kam ein Kochbuch der Auslandschweizer in Sri Lanka dazu. Natürlich in den beiden Nationalsprachen Sri Lankas.

Übrigens die Degustation zum Apero verlief unter viel Ach, Och, Lecker. Alles ist inspiziert worden; Konsistenz, Streichfähigkeit, Würze, Raucharoma etc. Genuss pur. Verpackung. Präsentation.

 

Habe ich das schon erwähnt? Der Hotelier Gerd Haisch ist heute 80 Jahre alt. Die Ausstrahlung, Ruhe und der vife Geist verblüffen. Für mich eine weitere Bestätigung dafür, eben bis ins hohe Alter beruflich aktiv zu sein. Nebenbei hat er ein wunderbares wie lesenswerte „Sri Lanka Logbuch“ geschrieben: EINBAHN INS PARADIES. Das Buch ist momentan meine Lektüre vor dem zu Bett gehen und nach dem Aufstehen. So ist mein Geist belegt mit erhellenden Gedanken, anstelle (mit) der weltweit meistens negativ belegten Nachrichtenschwemme. Mein Zusatznutzen ist eine Entziehungskur von Handy, Email, Internet.

 

Neue unerforschte Welt, erfordert aktuelles Wissen und anderes Vorgehen

 

Boheme gibt’s auch in Sri Lanka sei es das Eisbär oder das Hotel von Helga in Kandy.

http://www.icebearhotel.com/de/zimmer/

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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