Ole Pello Chief - Masai Chief Lake Natron

December 27, 2018

 

Ole Pello Chief habe ich zusammen mit Regina im April 2018 im Lake Natron zusammengelesen. Seine Frau hat uns gestoppt nach der Flussdurchquerung und gefragt ob wir ihren Mann mitnehmen würden. Mein Mercedes-G-Entdecker ist ein Zweiplätzer, ausgerüstet mit 2 Kühlschränken und gefüllt mit Alukisten für 2x Kleidung, Trockenfutter, Werkzeuge, Ersatzteile, Kochen und Apotheke. Also kein Platz für einen zusätzlichen Passagier. Er könne hinten aufsteigen oder auf die Motorhaube sitzen, mein Angebot. Er hat ein kleines Plätzchen drinnen gesehen und gefragt. Er lag ziemlich zerquetscht auf den Kisten und Kühlschränken.

 

Er müsse unbedingt an eine wichtige Versammlung in Enkaruka. Wir haben erzählt was wir machen und Vorhaben. Die Ruinen von Enkaruka besuchen. Er hat gemeint das werde er gleich organisieren und die Versammlung um 3-4 Tage verschieben. Als wir ankommen und er aussteigt wird er von 9 Männern umringt. Alle mit dem bekannten langen, hellbraunen Holzstab und einem schwarzen Stab mit Knauf ca. 60 cm lang - ausgerüstet. Der Knauf muss mind. 3 gebohrte Löcher haben. Ansonsten ist es nur zur Zierde sprich für das Geltungsbedürfnis. Ja, er sei der Masaichief dieser Region. Er würde uns jetzt die Ruinen zeigen und später könnten wir in seinem Dorf übernachten. Ohne Geld zu bezahlen für Fotos und Übernachtung. Innert 10 Minuten war der Bürgermeister und ein englisch sprechender Student für die Besichtigung der Ruinen organisiert. Anschliessend erlebten wir im Dorf des Masai ein traditionelles Fest mit. Ein Junge wurde zum Masai Krieger gemacht. Das ist ein wichtiger Lebensabschnitt bis knapp 30 Jahre. Das war der Beginn.

 

Deshalb war es mir wichtig, ihn wieder auf meiner Reise durch Tansania zu besuchen. Als ich mit viel Mühe über den Trampelpfad mit riesigen Steinen und Felsstufen am Mittag im Dorf ankomme, grosse Aufregung. Alle zeigen unter das Auto. Ich steige aus und schaue nach. Das Öl läuft aus, von Tropfen keine Rede. Keine Zeit zu überlegen, jemand drückt mir ein Gefäss in die Hand um das Öl aufzufangen. Telefonempfang nur für Notfälle -  keiner. Was jetzt? Das Öl wird den Masai einen wichtigen Dienst erweisen, hier und jetzt ahnungslos. Klärt sich erst ia 3. Tag. Und Ole Pello ist nicht da. Er ist auf dem Markt für lebende Tiere ca. 150 km entfernt und sollte am nächsten Tag gegen Mittag zurück kommen.

 

Grosses Hallo und Begrüssung aller Brüder und Frauen des Dorfes. Zuerst mal was trinken, Orangen, Biskuit und Äpfel an die Kinder und Frauen verteilen. Innert Kürze alles leer. Ich denke zuerst Mal warten, Motor abkühlen lassen. Bin um die Mittagszeit angekommen. Suche einen Ort mit Empfang und erhalte einen Guide der mir div. Plätze Zeit wo Empfang möglich ist. Nach 3 h endlich eine Verbindung mit Toni Schwaller aus Arusha. Mit mehreren Anläufen kann ich ihm meine missliche Lage erklären. Ich nach wie vor optimistisch, dass es nur die Zylinderkopfdichtungen sind. Toni Kurz entschlossen: Ich schicke dir einen Fundi (Mechaniker), kläre das heute inklusive dem Preis. Können wir morgen 8 00 Uhr telefonieren? Ich, sicher möglich.

 

Am Abend dann mehrere Nachrichten und SMS von Toni: Bernhard kommt. Kostet sicher USD 150 - 200 Arbeit plus Material, Benzin, Öl etc.! Stell du sicher, dass er dich findet. Am besten ein Masai an die Strasse stellen. Ich bin mit allem einverstanden. Habe wenig Möglichkeiten Wunschkonzert zu machen.

 

Am Nachmittag 2x kurz mit Ole Pello gesprochen. Unglaublich viel Lärm, dazwischen die Stimme, ich komme. Bleib wo du bist. Bin bis am Abend bei dir. Es wurde dann 23 30 Uhr. Die Zeit habe ich mir mit viel Hände Füsse Sprache verbracht. Masai sprechen einen eigenen Dialekt der wenig mit Suaheli zu tun hat. Die Bewohner haben dann den Dorflehrer als Dolmetscher organisiert. Dann kam vom nächsten Dorf ein älteres Männchen, dass ebenfalls englisch sprach. Erstaunlich wie schnell hier Übersetzer verfügbar sind. Keine Spur vom Vorurteil der Langsamkeit. Ich wurde bewirtet mit Chai Tee.

 

Ich bekam gegen Abend mit wie alles ins Dorf zurückkehrt: Kinder, Brüder, Frauen, Jugendliche, Esel, Kühe, Ziegen und Schafe. Die Jungen Ziegen und Schafe bleiben den ganzen Tag zu Hause und werden am Abend gesäugt. Wobei ich den Eindruck bekam, dass das auf den Durst löschen begrenzt war. Denn die Frauen molken die Ziegen wie Schafe gleichzeitig. Die Kleintiere werden getrennt von der Herde gehalten. Am Morgen geht die Herde ohne Jungtiere auf das Feld um in der Kühle etwas Gras zu essen. Wieder melken und säugen gleichzeitig wie sofortige Trennung der Tiere.

 

Dann wurde ein Feuer gestartet und immer wieder Kontakt aufgenommen zu Ole Pello wo bleibst du? Wann kommst und wo steckst du. Der Sternenhimmel unglaublich berauschend. Ich wollte mein Schlafplatz bereit machen, doch das haben die Brüder mit Vehemenz verhindert. So gegen 22 00 Uhr konnte ich nicht mehr widerstehen. Die Stimmung mit dem Sternenhimmel verführte mich, Musik zu starten. Die Freude gross. Das Tanzen hingegen eher zurückhaltend. Einzig zwei junge Mädels, schätzungsweise 13-15 Jahre alt halfen mit. Die Verlegenheit derart gross, dass es eine kurze Freude war. Die Brüder und Frauen amüsierten sich köstlich an meinen Tanzversuchen. Heute weiss ich wieso, die Bewegungen wirken gerade zu steif verglichen mit denen der Masai. Zaghaft habe ich immer wieder versucht Bilder zu machen und es dann aufgegeben. Bilder wirkten so gestellt und ich kam mir wie ein Eindringling vor.

 

Die Kontrolle am Auto war wenig berauschend. Sicher wie klar war, es können nicht die Zylinderkopfdichtungen sein. Meine Sorge stieg in Erinnerung an das austretende Öl der Stossdämpfer, beim Reifenwechsel bemerkt. Da entschieden zu zuwarten bis Nairobi. Einmal mehr bestätigt sich die innere Wahrnehmung, die ich schlicht ausgeblendet habe. Jetzt kommt die Zeche. Mein einziger Gedanke hoffentlich nicht das Getriebe. Die Strasse zum Lake Natron ist berüchtigt für ihre Achsen vernichtenden Stellen. Die Löcher und Gräben kommen völlig unscheinbar daher und jedes Mal, wenn du denkst weniger abbremsen zu müssen, hats dich d.h. knallt’s. Der Schatten erschwert oft die rechtzeitige Erkennung der Gefahr. Einzig das Tempo schützt dich. Ich fahre vor lauter Vorfreude hingegen öfters mehr als 50 km/h und das geht gar nicht.

 

Das Hallo am Abend gross. Wir sitzen zu Dritt ans Feuer. Ole Pello der Gastgeber, Sailepu der Bruder als sein Assistent (Butler) und ich. Ole Pello hat Gin mitgebracht als Gastgeschenk. Alkohol ein Problem der Masai neben vielen anderen. So ist der Einfluss von Internet, TV und Film mit der ständigen Verfügbarkeit ein Aspekt der die Tradition aufzulösen droht. Die Scheinwelt des Westens zerstört viel Tradition. Auch die Himbas in Nambia leiden darunter. Ole Pello als Beispiel verfügt über 2 Handys und einen Email Account. Das Email checkt er 1x die Woche am Fuss des Ngorongoro Krater.

 

Als es Zeit wird schlafen zu gehen, bin ich Baff; ich soll im Haus d.h. Bett von Ole Pello schlafen. Ich bin erschlagen wie berührt von der Grosszügig­keit. Er selbst schläft neben seinem Haus am Boden obwohl er zwei Frauen hat und sicher bei einer der Beiden untergekommen wäre. Ich kann nicht schlafen so bequem das Bett ist, der Sternenhimmel hält mich wach. Ich mache meine ersten Versuche mit Nachtaufnahmen und bin wie berauscht von Milchstrasse, grosser Wagen, Stern des Südens etc. Im Halbschlaf kann ich mich des Gefühls quasi ein ungeborenes Kind zu sein nicht erwehren. Der Geruch wie die Form und das Licht das herein fällt verstärken diesen Effekt. Schräg. Eine kurze Nacht, stehe 4x auf und Staune.

 

Das Telefon am Morgen fand dann um 6 30 Uhr statt. Zufällig Empfang, sofort nutzen. Toni den Ort beschrieben wo ich stehe und wo der Fundi d.h. Bernhard abzweigen muss. Er würde mit dem Motorrad kommen und einen Assistenten sowie Werkzeug dabei haben. Von Arusha sind es ca. 165 km. Wobei afrikanische Kilometer. Damit wir uns verstehen: Durchschnittsgeschwindigkeiten von 50 - 60 km/h sind unglaublich schnell. Ich rechne, dass Bernhard der Fundi ca. 11 00/12 00 Uhr im Masai Dorf ankommt. Das ich Bernhard kenne wird mir erst klar, als er den Helm bei der Ankunft abzieht. Es ist der Mechaniker der Burka Kaffeefarm in Arusha.

 

Am Morgen habe ich meine eingekauften Schätze und Gastgeschenke verteilt: Bratfett, Rote Bohnen, Blauband (Butterersatz der nicht zu kühlen ist. Grössen 100g bis 2kg),, Zucker, Reis, Ugali, Chai Tee, Honig, Mehl, Biskuits, Wassermelone gross, Ananas und die Armreife, die mir Regina mitgegeben hat. Meine Form von Entwicklungshilfe. In meinen Kühlschränken vorsorglich – aufgrund der Erfahrung im April – weder Bier, Wein noch Schnaps. Einzig Reeds, eine Art Suure Moscht. Das Getränk ist unter Masai wie Schwarzen unbeliebt und wird kaum getrunken.  

 

Den ganzen Nachmittag wird geschraubt und gehämmert. Bei Rückfragen: Habe es gleich. Die Schweizer haben das Getriebe mit Silikon gedichtet. Das ist der Grund, dass er das Getriebe nicht runter kriegt. Der Verdacht ist Wirklichkeit geworden – Riss im Getriebe. Lehrt mich 1x mehr: Was du denkst und fantasierst, wird meistens deine Wirklichkeit. Am Abend um 17 00 Uhr ist Schluss. Bernhard fährt nach Mto Wa Mbu am Fuss des Ngorongoro Kraters. Dort wird er einen Abschleppdienst organisieren. Hier kommt zuerst Ole Pello ins Spiel, er kennt einen, der das richtige Fahrzeug hat um mein Schwergewicht von knapp 3t zu ziehen. Die Wasservorräte von 80 Liter sind fast voll doch der Dieseltank nur zur Hälfte gefüllt. Vollgetankt und bepackt sind es locker 3.5t Gewicht. Was mir Bauchweh macht wie wir da den Berg runter kommen. Grosse Steine und Stufen aus Fels wie Geröll. Ein besser Wander- und Trampelpfad. Von Strasse keine Rede.

 

Den Tag mehrheitlich damit verbracht unter der Schirmakazie zu warten und nichts tun. Der Schatten richtig kühl. An der Sonne unglaublich heiss. Dafür Zeit mich mit Ole Pello auszutauschen und die nächsten Schritte zu planen. Optimisten wie wir beide sind. Der Plan nach der Wiederherstellung des Bärchens auf zum Abschied ins Dorf. In die „Pan“ fahren. Das ist das Gebiet vor dem Lake Natron. Ähnelt sehr der Serengeti mit dem Vorbehalt, dass es keine Raubtiere und Big Five (Elefant, Nashorn, Löwe, Leopard, Kaffernbüffel) oder Hyänen beheimatet. Der letzte Löwe wurde vor 3 Jahren gesehen. Der ist jedoch mehrheitlich am heiligen Berg Oldonyo Lengai auf der Jagd. Dort würden wir übernachten bevor wir an den Lake Natron fahren. Gleichzeitig geklärt wie das ist mit den Schranken in jedem Dorf mit den Gebühren ist. Ole Pello meint du hast mich dabei, da wird nichts fällig, einzig die Gebühr der Behörde hast du zu zahlen. Am Lake Natron werden wir auch innerhalb des Ortes in einem traditionellen Masai Quartier nächtigen. Ich kenne noch eine „Sonjo Familie“ die werden wir auf dem Weg nach Loliondo besuchen. Davon gibt’s nur noch wenige. Loliondo sollte mit dem Zoll einfach sein und dann gehe ich von dort mit dem Bus zurück ins Dorf. Dass der Plan sprich die Theorie. Glaub mir ich stelle sicher, dass du mit allen Formalitäten fertig bist. Bevor ich mich von dir verabschiede und die Kühe in der Pan besuche. So gerüstet ging es ins Bett.

 

Wenn ich gewusst hätte, was mich die nächsten Tage erwartet - hätte ich wesentlich unruhiger geschlafen:

-          Komplikationen Reparatur – Neue Schäden

-          Geldbezüge ohne Ende (Max. Bezug TZS 400‘000.- möglich entspricht knapp CHF 180.-

-          Eine Nachtfahrt ins Masaidorf

-          geschlossene Grenzen in Loliondo

-          Durchfahrten blockiert mit steckengebliebenem Schwertransport

-          Neue Gebühren des Staates (Wasserfall, Flamingos, Heisse Quellen etc. alles kostet extra

-          Der Schlegel kriegt einen Schlegel (Lamm) und ist am Schlafen

-          Bancomat keine Internet Verbindung

-          Dusche löst Kurzschluss aus – am Ende anstelle heisser Dusche – Katzenwäsche  

-          Einwanderungsbehörde verhindert meine Ausreise

-          Polizeichef von Loliondo stellt „Freischein“ aus, damit ich ohne Chai nach Nairobi komme

 

Die Erlebnisse und Berichte dazu kommen gesondert . Ole Serre – Verabschieden auf Masai

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

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