TheSlowRiders.ch - Indiana Oli + Corinne Jane

December 27, 2018

 

Die TheSlowrides in Malawi angetroffen. Die Begrüssung bei der Ankunft, so herzlich. Alle sprudeln gleich los. Ein Wirrwarr von Info und Themen. Habe mich kurzfristig entschlossen, sie zu besuchen. Was ich komplett falsch eingeschätzt habe – die Distanz. Für den Zoll habe ich schlappe 1.5 h gebraucht.

 

Die Kosten, eine Überraschung nach der anderen: Visa USD 75.- / Strassenbenützungsgebühr USD 50.- / Versicherung USD 50.- und ein kleines Handgeld von USD 5.- für meinen Helfer. Er wollte ursprünglich für seine Hilfe ohne rot zu werden USD 30.- von mir. Also „Mzungus“ handelt und zahlt nicht gleich den ersten Preis.

 

Verhandeln mit den Menschen bei jeder Gelegenheit ist Pflicht. Auf dem Markt alles in die Hände nehmen und begutachten gehört zum Ritual. Eine Beleidigung, wer kauft ohne etwas geprüft zu haben und/oder den festgelegten Preis bezahlt. Egal wie laut es wird auf Afrikas Märkten. Sie sind Pflicht und Lernfeld für alle, die sich in dieser Fähigkeit üben wollen. Abseits der Touristenströme erlebbar. Für „Mzungu“ gibt’s immer einen Preis der Extraklasse. Je bekannter der Ort umso unverschämter die Preise. Z.B. Mangos gibt’s zu Hauf – gerade Saison. 5 Stück für Mzungus in Tansania 5‘000.- Schilling. Gut verhandelt, sich beschwerend, Gesicht und Gestik angepasst. Oder eben still und leise wie Corinne kostet es TZS 1‘000.-.

 

Corinne verhandelt unverschämt raffiniert – sie schweigt, prüft, schweigt noch länger. Der oder die Verkäuferin wird nervös und beginnt den Preis zu reduzieren. Corinne nimmt die Tomate erneut in die Hand. Schüttelt leicht den Kopf. Sagt kein Ton. Erstaunlich das Resultat. Der Preis senkt sich und sie kriegt erst Recht noch etwas darüber hinaus mit auf den Weg. Ja auch bei den Kartoffeln, doch da kriegt Corinne ein schlechtes Gewissen. Es sind vielmehr Kartoffeln als sie angenommen hat. Ich beruhige sie und sage, die Marktfrau hätte ja nicht verkaufen müssen. Die Fahrt auf den Markt dauerte knapp 15 Minuten. Die Strecke ist Corinne während der Pflege von Indiana Oli zu Fuss gelaufen.

 

Als Schweizer wäre ich mit klarer Liste und logistisch perfekt abgestimmt, den Markt abgelaufen. Ich folge Corinne im Zick Zack von einer zur nächsten Strassenseite. Hier das Mehl. Dort die Früchte. Hier das Putzmittel. Die Kohle nehme ich an einem anderen Ort. Der tiefere Sinn, du kommst mit vielen Menschen in Kontakt. Die Menschen auf dem Markt wissen, da kommt eine Mzungu in Begleitung. Gleichzeitig kriege ich so die ungefähren Preise mit. Die Anwesenden hingegen wissen sehr wohl, dass da jemand weiss, was die Dinge kosten.

 

1 kg Fleisch beim Metzger kostet nicht mal TZS 10‘000.-, er schneidet es von einem Rinder Hinterviertel raus. Noch keine einzige Fliege am Fleisch, hingegen umzingelt von Fliegen. Das ist eine wichtige zentrale Beobachtung. Denn wenn die Fliegen auf dem Fleisch sitzen, besteht die Gefahr verdorbenes Fleisch zu kaufen. Wo Fliegen um das Fleisch herum schwirren sich hingegen nicht aufs Fleisch setzen – kaufen. Frischer geht nicht.

 

So ab 16 00 / 30 Uhr auf der Veranda sitzend, die Bucht betrachtend mit dem schneeweissen Sand. Die Wellen schlagen ans Ufer wie beim Meer. Einzig hier in Malawi ist es Süsswasser. Wir diskutieren über unsere Erfahrun­gen, Lebensgeschichten, Prinzipien, Erlebnisse und Erkenntnisse unserer Lern-/Entdeckungsfreude. Was wir alle gemeinsam haben: Die Achterbahnfahrt des Lebens. Mal Hoch mal runter. Immer wieder Stehaufmännchen. Berufswechsel sprich Veränderungen dito eine Konstante. Unerschütterliches Urvertrauen ans Gute und das Leben. Die berufliche Karriere mit massiven Einschnitten und Veränderungen der Berufsfelder.

 

Bis wir uns ans Kochen machen ist es meistens kurz vor dem Eindunklen. Das Ritual - Apero. Mal Sozial wie wir sind, ohne Alkohol. Indiana Oli nimmt noch Medikamente nach seiner Malaria Erkrankung. Dann wieder eher asozial Bier trinkend. Ich öfters Gin mit Ingwer Mineralwasser, anstelle Gin Tonic. Das gemeinsame Kochen ein Ereignis. Ja und das Brot von Corinne Indiana ein Gedicht. Ich darf es am Abend in meinem Bärchen aufbe­wahren zum Auskühlen. Der Duft eine einzige Verlockung. Das Frühstück Genuss pur.

 

Die mitgebrachten Belperknollen sind das I-Tüpfelchen auf den gekochten Gerichten. Es gibt Fleisch, Buurewurst aus Südafrika (Shopride Malawi), Fisch aus dem Malawisee und immer wieder kleine Überraschungen. Couscous mit Gemüse mit Butterfisch als Salat. Wunderbare mit viel Liebe zubereitete Aufstriche, Salate mit Gurken, Tomaten, Avocado, Kürbis, Zwiebeln etc. einfach Lecker.

 

Auf das Früchtebrot hätte Corinne gerne verzichtet. Käse wie Butter. Butter eine Rarität, da extrem teuer und mit dem Habash schlicht nicht haltbar für TheSlowRiders. Der Ersatz von Butter heisst hier „Blue Band“. Das gibt es quasi in ganz Ostafrika anstelle Butter. Muss nicht gekühlt werden und gibt’s in allen Grössen von 100 g bis zur Kilo Dose. Der Geschmack auch für mich gewöhnungsbedürftig. Ich verzichte meistens darauf. Butter kommt in Tansania wie Malawi aus Kenia oder Neuseeland. In Malawi unter der Voraussetzung, dass ein Shopride in der Nähe ist. Von Makuzi Beach ca. 220 km entfernt, steht der nächste Einkaufsladen dieser Art.

 

Mein Kühlschrank ein leckerer Fundus. Sogar der „Tschingis aus Erlach“ (Schnaps) muss dran glauben. Der mitgebrachte Singlemalt Whisky wird mit viel mehr Zurückhaltung genippt. Auch meine Eisenbratpfanne bewährt sich. Sei es für Chapati, Fleisch, Fisch, Bratkartoffeln wie Eierspeisen. Die Bratpfanne klebt nicht, wenn ich sie nach dem Gebrauch mit Salz ausbrenne. Sobald Wasser an die Pfanne kommt, ist Kleben das Programm. Das Ausbrennen fördert den Effekt der Teflonpfanne. Sie läuft und läuft.   

 

Die Leckereien die Corinne jedoch zaubert, kein Vergleich. Dazu ist wichtig zu wissen, in einem Seitenwagen wie Habash und zwei Langzeitreisenden, ist Platz wie Kühlung unmöglich. Ich komme regelmässig aus dem Staunen nicht heraus. Respekt.

 

Das Feuermachen von Indiana Oli ein Ritual mit viel Präzision. Da wird das Holz fein säuberlich geordnet und nach Grösse ausgelegt. Leicht brennbares Material gesammelt, die er mit einem Funken Glut zum Brennen bringen kann. Dann beginnt das sorgfältige stapeln der ersten Materialien. Bevor er mit seinem Zunder beginnt, Funken zu schlagen. Die Abkürzung von mir wie auch Corinne mit Papier schätzt er gar nicht. 

 

Erstaunt hat mich das Reisebudget. Es stehen USD 50.- zur Verfügung pro Tag. Langzeitreisende, die ich traf sind mit Budgets von USD 45 - 55.- unterwegs. Das muss reichen für Benzin, Essen, Unterkunft wie Eintritte und Ausgang. Das geht, wenn ich die Strassenküche nutze und viel selbst koche. Regelmässig ist eine Übernachtung in einem einfachen Hotel möglich.

 

Oli verkriecht sich in die Aufarbeitung seines Blogs. Unglaublich die Hartnäckigkeit wie Fleiss und Präzision er in die Berichte, Fotos und Filme legt. Ich habe die Entstehung des Videos - Auf der Pavianjagd mit den Hazebis – erlebt. Da wird um jedes Bild, Ton, Rhythmus wie Lautstärke gerungen. Geschnit­ten. Gelöscht. Ergänzt. Einmal sogar bis 1 30 Uhr. Und um 4 00 Uhr ging es mit mir los auf die Jagd - Sonnenaufgang. Das Licht ist 1 h vor und nach Sonnenaufgang/-untergang am besten. Die Farben und Stimmungen atemberaubend.

 

Erstaunlich ist wie sich der Film verändert und mir immer mehr Lust macht so etwas auch zu erleben. Er weckt in mir das Abenteuerfieber. Jetzt bequem aus dem Sitz heraus, keine Hexerei. Diese Hazebis sind das letzte Naturvolk von Tansania. Ähnlich der Buschmänner in Südafrika oder der Himbas in Namibia. Ihre Lieblingsspeise ist Pavian. Dazu geht es mit Pfeil und Bogen in den Busch. Über 20 Hunde begleiten die Hazebis. Mir wäre die Puste schon nach 100 Meter ausgegangen. Das Verrückte ist, der Anführer hat während der ganzen Zeit gekifft. Und etwas verrückt seien sie schon. Es gibt noch 500 Hazebis und die Inzucht ist ein riesiges Problem. Denn die Mischehe ist ein Tabu. Somit ist die längst nötige Blutauffrischung schlicht unmöglich. 

 

Ich lerne einiges dazu, was Bildgestaltung ist. In Windeseile hat er Licht, Blende, Fokus, Zeit und anderes Mehr kontrolliert. Des Öfteren d.h. wiederkehrend der Hinweis; den Platz zu finden und zur Zeit dort zu sein das A und O. Ich merke das schnell, als ich ins Rotieren komme, das Stativ sinkt ein. Ich habe das eine Bein nicht ganz festgeschraubt. Als ich bereit bin ist der Effekt am Himmel weg. Immer öfters kriege ich so mit, dass ich knipse und Oli Bilder gestaltet. Das hat er nie in der Art gesagt – Oli. Doch ich konnte mich von diesem Eindruck nicht trennen. Bei meinem besten Bild hat Oli zugegeben, dass er diesen Bildausschnitt gar nicht gesehen hat. Mein Herz hüpfte. Doch fotografieren ist wirklich eine Kunst. Die mit Licht zu tun hat. Und Licht ist dann am besten, wenn die meisten Schlafen oder Abendessen. Bei Vollmond wie Leer Mond dasselbe – 1 Tag vor-/nachher ist das Licht am besten.

 

Wir reden viel über Präsentationen. Grundprinzipien und Eindrücke wie Erlebnisberichte der Reise, tauschen Kontakte und Adressen aus. Oli ärgert sich über die teilweise statischen Darbietungen. Für Oli ist es wie ein Drehbuch eines Filmes. Da muss jede Pointe und Übergang stimmen. Das geht nur mit auswendig lernen. So kriege er ein Gefühl für Zeit, Pause wie Tempo. Er würde halt seine Präsentationen eher wie ein Theaterspektakel durchführen. Das hätte er entwickelt, da er zu oft die Verbindung d.h. die fehlende Verknüpfung der Kultur vermisse. Es sei doch einfach mittels Musik, Werkzeugen oder sogar Menschen aus diesen Regionen diese Authentizität hinzukriegen.  

 

Ich drücke den Beiden die Daumen. Im Seitenwagen auf den Strassen Afrikas ist öfters mühsam wie nervig. Die materialverschleissenden Strassen strapazieren Habash enorm. Ich überlege mir ernsthaft, so eine Afrika-Reise ohne Seitenwagen zu machen. Zolle den beiden meinen grössten Respekt. Via Theslowriders.ch könnt ihr herrliche Bilder, Filme und aufregende Berichte finden. 

 

Am 10.01.2019 um 18 30 Uhr wird klar was ich gelernt und gesehen habe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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