China - DER Player im östlichen wie südlichen Afrika

December 10, 2018

 

China ist omnipräsent. Im April habe ich eine chinesische Familie, die mit dem Auto im Amboseli Park in Kenia steckenblieb, aus seiner misslichen Lage befreit. Der Lastwagen auf dem Bild ist chinesisch beschriftet mit einheimischem Fahrer.

 

In Malawi habe ich eine Belagsaufbereitungsanlage gesehen. Die Ausmasse sind für mein Verständnis; gigantisch. Fotografieren schwierig – Verboten Sperrgebiet. Länge der Anlage ca. 250 -300 Meter und sicher 300 – 400 Meter in der Breite oder Tiefe. Je nach Sichtweise. Alles fein säuberlich geordnet und wie eigene Felder (Arbeitsstationen) auf dem Areal verteilt. Die Strasse ca. 10 km nach der Grenze von Tansania chinesisch. Erkennbar an der Linienführung, Brückenbauart und den überdimensionierten Bushaltestellen. Neben der Qualität der Strasse – laut. Neu und schon Löcher bei den Übergängen von der Strasse auf die Brücke oder bei Furten. Die LKW donnern darüber und prügeln quasi die Löcher in den Belag – Achsen knallen immer wieder auf die gleiche Stelle.  So beginnt die Auflösung einer Strasse. Wenn die Sonne den Belag aufweicht gibt es einen ähnlichen Effekt. Einzig der Belag kocht und wird wie eine Teigmasse an die Ränder gewalkt. Das führt zu unglaublichen Fahrspuren mit mind. 10 cm hohen Rändern.

 

In Tansania gibt’s Schilder an den Strassen wo Länder Gutes tun. Darauf ist festgehalten, wer die Strasse gebaut und geschenkt hat. Die Erbauer machen quasi Marketing in eigener Sache. Das Land soll in bester Erinnerung bleiben. Das geht von Amerika bis Europa und auch Asien. Korea habe ich 2x gesehen. Die Frage ist: welche Wirkung hat das hier auf die Menschen?

 

China hingegen ist anders, viel Smarter. Sie handeln Verträge mit 99 Jahren Dauer aus. Nichts da mit 3 - 5 oder 10 Jährigen Verträgen. Egal ob es sich um Fischrechte, Pachtverträge, Immobilien oder Infrastruktur handelt wie Hafenanlagen, Strassen, Bahn, Stromversorgung und anderes mehr.

 

Langfristigkeit – das Thema. Im Gegenzug bauen sie Strassen, Stromlei­tungen, Brücken und Eisenbahnen. Bei der grössten heizbaren Pipeline der Welt von Uganda runter ans Meer ebenso dabei. Heizbar, um das Rohöl zum Fliessen zu bringen. Es gibt Menschen in Tansania, die sagen, dass in 5 Jahren Kenia zu Tansania und Uganda den Chinesen gehört.

 

Übrigens bei der letzten grossen Wasserschwemme lernten die Brücken schwimmen – Erbauer waren Tansania und China. Die westlichen Brücken hielten. Was suggeriert das?

 

Die Bahn muss in grösserem Zusammenhang betrachtet werden. China hat bis nach Deutschland eine direkte Verbindung. Diese wird jetzt via Türkei durch ganz Afrika sprich Kenia und Tansania ausge­baut. Geld spielt keine Rolle. Der Staat; der China nicht mehr bezahlen kann – Nutzungsgebühr -  verliert die Eisenbahn. Die Brosamen z.B. die Schmalspurbahn von Morogoro nach Daressalam dürfen Türken und Portugiesen bauen. Das ist eine wichtige kurze Linie für die Menschen Tansanias die in DAR arbeiten. DAR ist die Kurzform für Daressalam.

Im Moment sind 2 gigantische Hafenausbauprojekte im vollen Gang. Tagsüber hingegen auf meiner Fahrt nie chinesische Arbeiter gesehen. Dafür sind Fahrzeuge chinesisch (Malawi/Tansania) beschriftet und mit Einheimischen besetzt. Auf einer Nachtfahrt 1x chinesischen Arbeitern begegnet. Eigenartig. Die sprichwörtliche Fleissigkeit dieses Volkes in aller Munde. Wie die Qualität der Materialien und Strassen. Hauptsache schnell erstellt. In Tanga entsteht eines der grössten Zementwerke Afrikas – China baut.

Ich denke es ist wie bei einem Unternehmer. Je länger er am perfekten Produkt arbeitet umso schneller ist er vom Markt verschwunden. Besser den Fuss drin zu haben. Schnell entscheiden. Umsetzen. Später korrigieren. Feld besetzen. Das Produkt mit dem Kunden entwickeln. Hier hat das für mich eine ganz andere Dimension bekommen. Das angeschlagene Tempo horrend.

 

Die Zwei-Klassen-Gesellschaft ist auch auf dem Arbeitsmarkt Tansanias spürbar. Europäer haben allesamt Schwierigkeiten mit ihren „Workpermits“ (Arbeitsbewilligungen) oder ziehen weiter. Das zieht sich vom Norden, bis Westen und Osten in den tiefen Süden - Workpermit. Sehr viele Expats sind zurück in ihre Ursprungsländer. Das führte nebenbei zu einer Immobilienkrise in Daressalam. Dort stehen zu hunderten teure Wohnungen in Hochhäusern leer. Der Staat wird diese höchstwahrscheinlich „nationalisieren“, Investoren können ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen. Banken sind beim Präsidenten vorstellig geworden. Erinnert mich irgendwie an die Schweiz. Wo Bundesräte und Nationalbank über Nacht mal schnell – Milliardengeschäfte abwickeln. Alles völlig legal am Volk vorbei. Ich spreche von der Schweiz und nicht von Afrika.

 

In Iringa habe ich einen Südafrikaner kennengelernt. Er arbeitet seit über 25 Jahren für „die Konkurrenz von Bühler Südafrika“.  Reist 3x im Jahr durch Tansania und besucht seine Mühlen. Mitten auf der Strasse vom „Departement für Immigration“ aufgehalten worden, mit den richtigen Papieren. Anzeige: Falsche Bewilligung USD 6‘000.- Cash jetzt oder ins Gefängnis. Passierte mir dito 3x in Tansania, eine Kontrolle aus heiterem Himmel von der Einwanderungsbehörde. Jedoch ohne Busse, hingegen mit CHAI (Bestechungshandgeld ohne Beleg). Wer Bestechung fördert kann hier in die Kiste wandern. Die Information ist mir in die Knochen gefahren, denn ohne Beleg fördere ich ja Bestechung. Das Denunzieren verunsichert.

 

Chinesen haben einen vereinfachten Zugang zur Regierung. Da können schon mal über Nacht 2‘000 Arbeitskräfte organisiert werden. Die Kosten stehen in keinem Verhältnis knapp USD 200.- im Gegensatz zu USD 3‘500 – 5‘000 je nach Qualifikation eins Menschen aus dem Westen. Der Präsident hat mehr als 1x bestätigt, westliche Investoren und Länder seien weniger verlässlich als die Chinesen. Deshalb würde er Geld aus China bevorzugen. Noch Fragen?

 

Ein Gerücht, das mir immer wieder begegnet. Ich bin der Meinung, dass es korrekt ist. Verurteilte Straftäter aus China, können ihre Strafe mit einem Arbeitsvertrag in Afrika ersetzen. Der Deal heisst „Arbeitslager“ für 2 - 5 Jahre. In Lesotho 2014 persönlich so ein Arbeitslager gesehen.

 

In den Dörfern und grösseren Städten begegnen mir in Tansania immer öfters chinesische Läden. Der Verkauf von Erdnüssen, bisher ein „Monopol“ der Einheimischen in DAR, wird immer mehr von Chinesen betrieben. Schräg. In Lesotho sind übrigens viele chinesische Ladenbesitzer schwer bewaf­fnet mit Maschinenge­weh­ren. Wieso - keine Ahnung. Lesotho habe ich als so friedliche wie herzliche Bevölkerung in Erinnerung.

Heute Schlagzeilen in der englischen Ausgabe: The Guardian:

  • Düngerskandal – keine Steuern bezahlt. Am Hafen blockiert

  • China bringt neu medizinische Hilfe: Gratisabgabe von Medikamenten

  • Neues System für Zahlungsverkehr von TIGO in Tansania - Handy

  • CC der Besitzer des FC Sion war dito hier schon in den Schlagzeilen – Fringer das Stichwort

Alle Völker, die ich kenne, und Weltspitze waren, sind das 1x gewesen. Von Maja, Azteken, Römer,  Griechen, Wikinger, Italiener, Portugiesen, Engländer, Amerikaner etc. – China ist das bereits mehr als 2x gelungen, die Weltherrschaft an sich zu reissen.

 

Ja auch die 36 Strategeme der Chinesen, die Kindern als Märchen zum Einschlafen vorgelesen werden, sind weitere Grundlagen. Wobei es ist viel mehr. Die 37. Strategie dieser Strategeme ist eine Kombination der 36. Also unzählige Möglichkeiten. Das macht sie so erfolgreich bei Verhandlungen. Housi bestätigt mir, dass bei einer technischen Verhandlung mit Chinesen der Plan gleich vor Ort während des Gespräches angepasst wurde. Das nenne ich Effizienz. Sprachbarriere hin oder her. An der Lösung wird gearbeitet. Das Problem ist Grundlage, hingegen nicht Zweck der Verhinderung. Ich staune.

 

Was für mich heute glasklar ist: der Zug für die westliche Welt ist in Afrika längst abgefahren. Ob der  Zug nochmal zum Stehen kommt oder Möglichkeiten bietet aufzuspringen - bezweifle ich. Trotzdem wird nach wie vor mit alten Methoden hier Geld im grossen Stil vernichtet. Nein nicht vernichtet verteilt an eine Grossfamilie. Merke: Tansania hat ein ungeschriebenes Gesetz – Familie ist alles. Wer mehr hat, gibt dem, der weniger hat. Je nach Einfluss d.h. Stellung und Amt hat das teilweise bizarre Auswüchse.

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