Ruaha Nationalpark - ein wildes Tier- und Naturparadies

December 3, 2018

 

 

 

 

 

Die Vielfalt des abgelegenen Ruaha Nationalparks (RNP) wie die Anfahrt ist aussergewöhnlich. Dazu kommt die ungewöhnliche Grösse von über 10‘000 km2 und Wildheit. Lasse mir das nochmal durch den Kopf gehen: Das ist ¼ der Schweiz.

 

Die spektakuläre wie raue Schönheit des RNP ist legendär. Das Beste daran: wenige Gäste. Der Zauber der Wildheit bleibt hier erhalten, denn die Auto Touristen Karawane des Nordens, fehlt hier komplett. Im RNP ein Auto vielleicht zwei. Nie, 20 – 30 Autos wie zur Hochsaison im Norden, die sich um ein Löwenpaar oder –Rudel balgen. Und wild ist der RHP in allen Belangen.

Der Westen und Norden des Parks ist den Jägern vorbehalten und für Fotojäger unzugänglich. Als Selbstfahrer in der Regenzeit dito kein Zugang. Ich bin kurz vor der Regenzeit gekommen und hatte keinerlei Schwierigkeiten ausser einer defekten Lampenbirne vorne. Die ich, anstelle einer verdienten Siesta, ersetzte. Im Anschluss genoss ich ein Fussbad. Ich war der einzige Selbstfahrer im Park und auf dem Camping.

 

Die Orientierung ist schwer im RNP. Ein GPS hilft. Bin mehr als 1x im Kreis gefahren. Das abgegebene Kartenmaterial und die Beschriftung schwer zu entziffern und zu interpretieren. Kreuzungen mit Wegen die ins Leere führen oder keinen Namen wie Richtung tragen - die Regel. Wer hingegen 1 - 3 Tage bleibt oder RNP mehrfach besucht ist im Vorteil. Tiere haben Gewohnheiten wie wir Menschen und sind öfters an derselben Stelle anzutreffen.

 

Speziell am RNP ist, dass Afrikanische Wildhunde genauso anzutreffen sind wie Pferdeantilopen. Was äussert rar ist. Es ist alles zu finden, sofern er, sprich ich, die Tiere sieht. Also Leoparden, Löwen, Wasser-/Kaffernbüffel, Elefanten, Gazellen/Antilopen aller Art, Tüpfelhyänen, Flusspferde, Krokodile, Nashorn, Mungos, Erdmännchen, Affen, Schabrackenschakal, Zebras, Gnu, Giraffen, Dik Dik, Klippspringer, Kronenducker und Vögel ohne Ende. Die Tsetse Fliege des RNP überträgt keine Malaria. Wieso habe ich nicht herausgefunden.

 

Die dichteste Elefantenherde von Tansania im RNP hat gelitten seit mehr als 65’000 Tiere gewildert wurden - innert 10 Jahren. Dazu muss man wissen: Ein gejagter Elefant hat noch rund 2h Hirnaktivität nach dem Abschuss. Die Vorgehensweise der Wilderer ist perfid wie erfolgreich. Sie schiessen mit ihren Maschinengewehren zuerst ein Kalb. Das führt dazu, dass sich die ganze Herde im Kreis vor die Kälber stellt. Das soziale Verhalten dieser Tiere wird gnadenlos ausgenutzt.

Grundsätzlich sind die Herden wie bei uns mit dem Wild zu hegen und zu pflegen. Alte wie verletzte oder kranke Tiere müssen heraus geschossen werden. In diesem Sinne hat die Jagd sehr wohl ihre Berechtigung.

Hintergründe, dass die Jagd in Tansania der wichtigste Wirtschaftszweig ist:

 

·       Kenia verbietet die Jagd

·       Abschuss – Trophäe – Fleisch – Fell - Ausfuhr = kostet alles extra

·       Lizenzierter Jäger  - Anreise – Ausrüstung – Fahrzeuge – Personal – Foto/Film = zusätzlich

·       Jagdkosten Big Five (Elefant, Löwe, Leopard, Nashorn, Wasserbüffel) USD 50‘000 - 100‘000.- 

 

Die langwierige Anreise (110 km) ab Iringa dauert ca. 2 - 2½ h. Nur etwa 1/5 der Strasse ist Teer mit Löchern und Pumps zu Hauf. Der Rest Piste. Das bedeutet Schotterstrasse. Da wechseln sich Abschnitte von Wellblech, Regenwassergräben, Löcher, feinster Sandstrasse bis zu steinigen Abschnitten aller Art (Kiesel bis handballgrossen Steinen). Ein-/Ausfahrten von Wasserfurten oder Zu-/Wegfahrten von Brücken teilweise extrem steil und nur im Schritttempo befahrbar ausser ich will riskieren, einen Achsbruch einzufangen oder mir den Kopf am Dach anzustossen.

 

Der Park ist eine Mischung aller Nationalparks Afrikas. Viele Baobab Bäume einige arg drangsaliert und bearbeitet von den Elefanten. Hintergrund: Baobab Bäume sind riesige Wasserspeicher, die in der Dürrezeit von den Elefanten angezapft werden. Denn der all gegenwärtige Ruaha River trocknete erstmalig vor 3 Jahren aus. Trotzdem gibt es immer wieder Stellen wo grössere Wasser- und Schlammpfützen bleiben. Deshalb wird der beliebte „Flusspferd Pot“ von Vögeln aller Art, Krokodilen wie Fischen geteilt.

 

Flusspferd Zusam­men­stösse sind die häufigsten Unfälle mit Todesfolge in Tansania, Kenia, Südafrika, Botswana, Namibia, Sambia und Simbabwe. Der tägliche Weg zum Wasser und das Kreuzen der Hintergrund. Spannend zu sehen wie dann eine Gruppe nach der Anderen saufen geht. Einzig Giraffen beim Wasser trinken zu erleben ist ein grossartiges Ereignis. Das ist der Zeitpunkt wo sie am Verletzlichsten ist. Die Vorsicht der Giraffen ist bekannt. Da kann es schon mal eine 1h und mehr gehen bis sie den Kopf neigt und die Beine in Extremes spreizt. 

 

Das Flussbett des Ruaha Rivers in Kombination mit dem 200 Meter hohen Felsabriss (Bruchkante) zweiteilt den RNP. Macht immer wieder atemberaubende Blicke frei auf friedlich grasende Wildtiere. Das Beobachten der Gaukler (Raubvogel) und grasenden wie suhlenden Flusspferden, Wasserbüffeln, Genuss pur.

 

Am Abend alleine auf dem Campingplatz ohne eine Menschenseele und Feuer. Ich genoss die Stille d.h. die Geräuschkulisse. Der Sternenhimmel berauschend. Nein ich war nicht besoffen. Das Beste am ersten Abend wollte ich das ultimative Bild schiessen im letzten Sonnenlicht. Dabei verpasste ich beinahe eine ganze Herde von weit über hundert Wasserbüffel – Luftlinie ca. 150 Meter. Sie wanderten auf der Krete im hohen Gras entlang und waren nur als kleine Schatten erkennbar. Der Bulle, der sich ins Flussbett wagte, zeigte es mir an. Mit Feldstecher, dann war sofort klar was, wieviel und wo die Wasserbüffel steckten.

Dasselbe Erlebnis - ich konzentriere mich nach Vorne und Rechts. Dabei verpasse ich beinahe 2 Elefanten hinter mir auf der linken Seite.

 

Ja so unglaublich es tönt; 15 Elefanten können auf leisen Sohlen über das gröbste Gestein oder Geröllhalde marschieren. In absoluter Stille. Da wird der Hinterfuss genau in den Tritt des Vorderfusses gesetzt. Der Hintermann genau so vorsichtig die Tritte des Vordermannes nutzend. Das Schaffen weder die leichtfüssigen Antilopen, Springböcke oder Zebras wie Gnus. Da reichen zwei um richtig viel  Lärm zu produzieren. Erstaunlich.

 

Wie schnell etwas übersehen ist: Am letzten Morgen wollte ich den Sonnenaufgang von einem Hügel aus fotografieren. Der Plan war grundsätzlich in Ordnung. Doch ich habe verschlafen und so kam viel Hektik auf. Genau das sind die Momente wo ich Dinge übersehe und es brandgefährlich wird.

 

Eine Tüpfelhyäne spazierte gemütlich vor meinem Auto vorbei. Ich bog links ab. Rechts hätte ich sie höchstwahrscheinlich übersehen und touchiert. Das hätte ein Theater sondergleichen gegeben. War lange gerade etwas Baff. Konnte erst nach ca. 3-5 Minuten weiterfahren. Mir kam es wie eine Ewigkeit vor.

 

Ja, auch wenn ich am Morgen oder nachts aus dem Dachzelt steige ist Vorsicht angesagt. Gut zu Wissen ist, dass jeder Mensch, ob im Zelt auf dem Boden oder auf dem Dach so sicher ist wie in Vater Abrahams Schoss. Erst, wenn der Reissverschluss aufgeht und ich raustrete oder herunter­steige werde ich als Futter betrachtet. Das zu Wissen hilft. Wildtiere gehen nur in extremen Ausnahmen auf ein Zelt los. Wer hingegen auf dem Boden offen schläft ohne Feuer ist dito gefährdet, je nach Region und Tierbestand.

 

Doch wenn der Löwe in der Nähe brüllt, fährt das sowas in die Knochen. Oder die Giraffe sich neben dem Dachzelt an der Akazie bedient. Es ist noch Dunkel. Geräusche sind undefinierbar. Das leichte Ruckeln am Bärchen (Auto) spürbar. Ja, dann ist der Schreck gross und du bist sowas von wach. Kein Kübel kaltes Wasser kann das. Das Ungewisse, die Angst schnellt hoch, der Puls steigt. Fehlalarm. Der lange Hals, das Hinterteil oder die Beine haben am Fahrzeug angestossen. Weiterschlafen.

 

Ja das Auffinden der Tiere kann frustrierend wie unglaublich berauschend sein und das macht es so spannend und aufregend. Lustig wird’s, wenn Holz, Schatten, Büsche und Steine zu Tieren erwachen. Plötzlich siehst du überall Elefanten, Wasserbüffel etc. wo keine sind. 

 

Das wird der einzige Nationalpark mit Wildtieren sein den ich besuche. Doch den RNP wie den Tarangire und Selous Nationalpark werde ich wieder besuchen. So schwer und so gerne ich Ngorongoro, Serengeti und Masai Mara sehen würde. Das tue ich mir nicht mehr an. Der Genuss ist um einiges grösser mit weniger Vehikeln im Nationalpark.

 

Share on Twitter
Please reload

Please reload

© 2017 eckraum // gerold schlegel