Chai (Suaheli Bestechungsgeld/-system) - Vor der Versuchung der Manipulation kapitulieren

December 1, 2018

 

Ich bin glücklich wie erleichtert, dass dieses „Chai System“ mich zwang einen anderen Weg zu suchen und befahren. So entdeckte ich unbekannte Orte und einige ausserirdische Sehenswürdigkeiten die in keinem Reiseführer Tansanias zu finden sind oder ein Tourismusexperte Tansanias je gesehen hat.  Einige wenige westliche Touristen oder Bewohner höchstens vom Hören Sagen - wenn überhaupt. Der Süden tiefste tourismusfreie Zone. Der nächste Einkaufsladen mit Auswahl ca. 350km entfernt.

Pater Koluwa Yohannes war ein verlässlicher wie nützlicher Engel. Er bewahrte mich vor einer detaillierten Durchsuchung von Bärchen durch die Armee. Verhandelte den Zutritt zum Strahlenden Stein/Tal und machte den Weg frei. Stellte sicher, dass ich das das „Schwarze Haus“ sah. Lernte 2 Kinder eines Clanchefs mit 32 Ehefrauen und 87 Kindern kennen. Der landschaftlich fantastisch gelegene Campingplatz in Njombe mit Zufahrt direkt an den Fluss im Rohbau. Toilette, Dusche, Restaurant, Bar sowie überdachter Aussenbereich mit Gras, warten auf die Fertigstellung. Eingeklemmt zwischen Wald, Fischteichen direkt am Fluss. In einer Senke. Bedenken sind gross, dass es 2 Monate sehr kalt sein wird ca. 5-8 Grad. Doch in der Hitze kühl. Wunderschöner Platz. Für mich auch so sofort nutzbar. Wer kennt Sehenswürdigkeiten wie Eigenarten der afrikanischen Lebensart dieser Art. Pavianjagd Hadzabi (bekannt via YouTube Slowriders.ch).  Der Süden ein einziges unentdecktes Paradies. Tourismus ein Fremdwort und deshalb so ursprünglich. Schlafen im Dachzelt auf dem Auto eine Beleidigung und unvorstellbar. Die Versorgung reduziert auf die Grundbedürfnisse. Weniger ist mehr.

Ich habe ein vielseitiges Land mit fleissigen, lebensfrohen, freundlichen, grosszügigen wie hilfsbe­reiten Menschen gefunden. Auf der Reise viel Zeit meinen Gedanken nachzuhängen. Stunden, ja teilweise Tage von völliger Konzentration auf Strasse und Umfeld. Noch mehr Stunden der Stille. Mich selber aushalten. Unsicherheit und Angst überwinden. Leiden, wenn die Strasse wie Staub zu viel war - kein Ende absehbar - das Ziel so fern. Kontakt suchen. Mich trauen zu sprechen mit Händen und Füssen. Achterbahn von Glück – Frust – Ärger – Stolz – Berührt Sein - Staunen – Freude – Stille. Unbehagen wie Unwohl sein aushalten. Rückschläge hinnehmen und zuversichtlich nach vorne schauen. Lernen umzugehen, dass Technik wie Strom, heisses Wasser zum Duschen und Internet Luxus ist. Ungewissheit akzeptieren, unabhängig wie schwer mir das fällt. Gefühle mit intensivstem Erleben. Unglaubliche Zufriedenheit. Erschlagen von den vielen Eindrücken. Rückzug und einfach nichts tun. Mich treiben lassen ohne schlechtes Gewissen. Teilweise beschämen mich die Grosszügigkeit der Tansanier und mein eigener Überfluss.

Eines jedoch nie erlebt: Angst vor Raub, Betrug, Körperverletzung, Entführung. Vorsicht hingegen sehr wohl latent vorhanden. Ständiges abwägen: geht das? Grundprinzipen die auf der Reise gelten:  

  • Grosse Zentren und Tourismusplätze meiden

  • Keine Nachtfahrten wie bei Dämmerung (Ausnahme Morgens ab 4 00/5 00Uhr)

  • Lokale, Treffpunkte mit Alkohol meiden

Gegen alle Grundprinzipien habe ich mind. 1x verstossen. So bei den grossen Zentren (Ankunft/Treffpunkt Erstkontakt Tansania oder jetzt in Mikumi zum schreiben/erholen). Zwei Mal Ankunft bei völliger Dunkelheit: Strassenverhältnisse wie Distanz komplett verschätzt. Hochzeitsfest vor meiner Unterkunft in Njombe.                                                              

Geben und nehmen ein Grundprinzip. Wer hier – in Afrika - etwas erreichen will muss vor Ort bleiben und Verantwortung übernehmen. Geld schicken, bauen und nach wenigen Monaten oder Jahren wieder gehen hilft wenig. Steuerbe­freite Stiftungen, Politik aus Europa wie USA und Organisationen die hier tätig sind scheitern genau aus diesem Grund (Mehrfach bestätigt worden in Malawi wie Tansania). Ein offenes Geheimnis: Geld schicken ja noch so gerne, doch wir machen es nach unseren Regeln. Die heisst Infrastruktur Kosten. Ausgenommen davon ist China, sie engagieren sich schon Jahrzehnte  

Auch die FIFA hat ihren Anteil beigetragen und neue Begehrlichkeiten geweckt. Malawi wie Tansania und Kenia sind sowas von Fussballverrückt. Hier kennen sie all die Stars der europäischen Clubs inklusive der Schweizer Spieler. Marken Shirts sind ein Statussymbol.

Der andere Aspekt von Chai sind internationale Organisationen inkl. all der Caritativen. Die Preis­treiber und grössten Abnehmer von Unterkünften und Infrastruktur. Organisationen aus Umfeldern wie: Verkehr, Naturschutz, Industrie, Handel, Medizin, Fussball, Politik, Wirtschaft, Bildung etc. laden Schlüsselpersonen an Kongresse mit Aufenthalt und separatem Rahmenprogramm für die Partnerinnen, in Luxuslodges ein. Das Rahmenprogramm sieht oft einen Besuch in einem der vielen Nationalparks vor. Ohne dieses Verwöhn Programm kriegen die Organisationen die Menschen nicht an den Tisch, wird argumentiert.                     

Die unentgeltlich Arbeitenden „Westler“ wollen neben der Arbeit auch mal etwas von Afrika sehen und bereisen in der Freizeit die hochfrequentierten Touristenattraktionen. Das alles führt zu einer höheren Nachfrage. Die UN hat alleine in Tansania über 800 Angestellte. Was auffällt auch Schweizer Organisationen wie Solida Med haben erstklassig ausgestatte hochwertige 4x4 Modelle.

Die Politik von Tansania nutzt das und verschärft wiederkehrend die Bedingungen. Legt neue Abgaben für Touristen (20% Steuer) fest. Mit der Argumentation Qualitätstourismus für Tansania; werden Nationalitäten ausserhalb Tansanias geschröpft bis weit über die Schmerzgrenze. Wer mit ausländischen Kennzeichen in die Nationalparks will, wird zusätzlich via Auto gemolken. Das geht soweit, dass ich mit der Miete eines Fahrers, eines Guides und eines Fahrzeuges günstiger bin, als Alleine mit eigenem Auto. Der Tarangire Nationalpark kann dann schon mal pro Tag USD 300.- kosten für 2 Personen mit eigenem Auto und ausländischem Kennzeichen inkl. Camping mit einfachster Infrastruktur. Oft nicht mal Strom zur Verfügung. Beim Ngorongoro Krater sind es dann bereits unglaublich Stolze USD 900.- pro Tag für 2 Personen mit ausländischem Auto. Der einheimische Preis liegt zwischen USD 15 – 50 inkl. Fahrzeug.

Dazu muss man wissen, wer Beziehungen hat kann mit USD 30.- inkl. Eintritt und Halbpension z.B. den Tarangire Nationalpark als Ausländer mit eigenem Fahrzeug besuchen. Wie geht das? Ganz einfach. Jeder Nationalpark von Tansania betreibt eine eigene „Lodge“ für ausländische Forscher, Studenten und/oder wichtige Gäste. Beziehungen zu Autoritäten und Internationalen Organisationen ist alles in Tansania.

Was mir auffällt, dass diese Mehreinahmen wie Wasser in der Wüste augenblicklich verdunstet und versickert. Egal woher die Mittel kommen. Die Mehreinnahmen in Form besserer Infrastruktur nicht erkennbar. Die Kreativität der afrikanischen Kultur in Tansania mit der Tradition der Grossfamilie verblüfft. Die Struktur und das System der Grossfamilie ist DER dreh- und Angelpunkt.

Ein Beispiel: 1 Familienmitglied eines hohen Beamten oder Ministers gründet eine Firma. Die Firma kriegt völlig überraschend ein überdimensioniertes Projekt der Regierung. Deshalb ist der nächste Schritt überhaupt möglich. Das Perfide die Regierung entzieht der Firma wieder den Auftrag. Das Geschäft wird rückabgewickelt, nicht ohne eine saftige Unkostenpauschale zu verrechnen. Da sind schon mal 2-stellige Millionen USD fällig. In DRC, Tansania, Südafrika, Simbabwe etc. schon mehrfach vorgekommen.

Der aktuelle Präsident herrscht wie ein Diktator und macht alles um seine Macht zu erhalten. Offiziell bekämpft er Korruption und baut dazu den Polizeistaat aus. Die Wirkung seiner Massnahmen hingegen fördern „Chai“ in einem unerträglichen Mass. Das führt zu mehr Korruption und einer Verstärkung seiner Position. Ein perfides System. Perfekt und unangreifbar. Auf den schönsten Teerstrassen sprich schnellsten Verbindungen führt das zu gehäuften Kontrollen nicht nur für „Ausländer“. Da werden die abenteuerlichsten Gründe hervorgeklaubt um eine Busse verhängen zu können. Die Busse beträgt immer TZS 30‘000.-. Erinnert mich an Filme aus meiner Kindheit mit Raubrittern die hinter fast jeder Ecke, Wegzölle einforderten.

Pro Halt sind 20-30 Minuten einzurechnen für die Verhandlung mit der Polizei. So alle 50km erwischt es mich Die Gründe können sein…:

  • übersetzte Geschwindigkeit ab 3 Km/h

  • Feuerlöscher am falschen Ort (Pflicht mit zu führen in Tansania)

  • Schmutzige Fenster (oder Auto) beeinträchtigt Strassensicherheit

  • Gefährliches Überholen (Linksgesteuertes Auto) und LKW’s kriechen mit 5-10km/h Berg hoch

.. und jetzt beginnt das Palaver. Wer geduldig ist kommt mit TZS 10‘000.- davon. Das sind umgerechnet ca. CHF 5.-

Die Einwanderungsbehörde nutzt dies ebenso elegant in dem sie nach der Kopie des Visa und Führerscheines fragt. Die ich selbstverständlich nicht dabei hatte. Erlebte ich 3x auf dem Weg von Arusha nach Malawi. Von Arusha via Dodoma nach Iringa hatte ich 2x mit der Einwanderungsbe­hörde zu tun und ca. 10x mit der Polizei das Vergnügen. Eine wunderbare Praxiserfahrung mit dem eigenen Zeitdruck (Tagesziel festgelegt), Frust, Ärger und Wut lernen umzugehen. Die Hilflosigkeit zermürbt. Einmal bin ich derart ausgeflippt, dass in Kürze vier weitere Polizisten vor Ort waren und sie mich einfach auf die afrikanische Art weichgekocht haben - Warten. Als Choleriker hast du in Afrika die denkbar schlechtesten Karten.

Politisch ist das Vorgehen des Präsidenten noch viel krasser wie dreist. Es gibt zwei Parteien. Das Dorf das den Gegner gewählt hat also die Verliererpartei vertritt – kriegt kein Geld oder dringend benötigte Infrastruktur wie Strom, Wasser, Strasse, Schule und anderes mehr. Alles auf Halten gesetzt. Wen wähle ich das nächste Mal? Wer öffentlich sich dagegen ausspricht oder anprangert wandert ins Gefängnis.

Mein Rezept dagegen einfach wie effizient, weg von den Hauptstrassen. Von der Grenze in Malawi via Njombe, Ifakara über die Berge bis nach Mikumi keinen Kilometer auf Hauptverkehrsachsen verbracht. Einzige Ausnahme war in den Dörfern – 2x angehalten. Die Strassen hingegen eine Belastung für Mensch wie Material. Dazu kommen die Könige der Strasse: Bus- und LKW Fahrer. Für die ist Bremsen oder aus dem Weg gehen, schlicht unmöglich. Geht gar nicht. Also zolle ich diesen Fahrern Respekt und weiche. 

Mein bezahltes Bussengeld von Malawi bis nach Mikumi TZS 20‘000.- einmal von Pfarrer Kaluwa Yohannes persönlich reduziert. Bei der Armeesperre/-Areal konnte er eine detaillierte Untersuchung des Fahrzeuginhalts gerade noch so verhindern. Ja, richtig ich bin mit einem katholischen Pfarrer zweieinhalb Tage gereist. Ein Glücksfall für Yohannes wie für mich. Zufällig über sieben Ecken getroffen. Wir haben zusammen ca. 600 km Wegstrecke hinter uns gebracht.

  • 1‘500 km/h Strasse mit Abschnitten die den Namen Strasse nicht verdienen

  • Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen 10-40km/h

Er zeigte mir den „Strahlenden Stein/Tal mit der steinerne Karte Afrikas, das Schwarze Haus und anderes mehr. Das strahlende Tal ist ein 7.5 Acres grosser Felsgranit. Die Karte Afrikas berührt. Eine berauschende Fernsicht. Dann die 2 Kinder des grössten Polygamisten der 32 Ehefrauen hatte. Daraus entstanden wiederrum 87 Kinder. Heute hat der Clan zwischen 700 und 800 Personen sie wissen es nicht so genau.

Das härteste Stück für uns zwei war dann der Weg über die Berge von Njombe nach Mikumi. Auf meinem Kartenmaterial war keine Strasse eingezeichnet. Dort fehlte eine Lücke von knapp 200km.

Dazu später mehr

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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